DOKUMENTATION: Wir fühlen Schande und Reue
In einem Hirtenbrief an die Katholiken Irlands hat Papst Benedikt XVI. zu jahrzehntelangem Missbrauch Stellung genommen. Hier die wichtigsten Passagen:
"Die Schwere der Vergehen und die oftmals unangemessenen Reaktionen der kirchlichen Autoritäten in eurem Land erwägend habe ich entschieden, diesen Hirtenbrief zu schreiben, um meine Nähe zu euch auszudrücken und einen Weg der Heilung, der Erneuerung und der Wiedergutmachung vorzuschlagen.
(...)Es ist wahr, dass das Problem des Missbrauchs von Kindern weder ein rein irisches noch ein rein kirchliches ist. Trotzdem ist eure Aufgabe nun, das Problem des Missbrauchs aufzuarbeiten, (...) mit Mut und Bestimmtheit.
In diesem Gesamtkontext müssen wir das verstörende Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu verstehen versuchen, das nicht wenig zur Schwächung des Glaubens und dem Verlust des Respekts vor der Kirche und ihren Lehren beigetragen hat. Nur durch sorgfältige Prüfung der vielen Faktoren, die zum Entstehen der augenblicklichen Krise geführt haben, kann eine klare Diagnose unternommen und können wirkungsvolle Abhilfemaßnahmen gefunden werden. Sicher können wir zu den entscheidenden Faktoren hinzuzählen: unangemessene Verfahren zur Feststellung der Eignung von Kandidaten für das Priesteramt und das Ordensleben; nicht ausreichende menschliche, moralische, intellektuelle und geistliche Ausbildung in Seminarien und Noviziaten; (...) und eine fehlgeleitete Sorge um den Ruf der Kirche (...), die zum Versagen in der Anwendung bestehender kanonischer Strafen (...) geführt hat.
An die Opfer des Missbrauchs: Es ist verständlich, dass es schwer für euch ist, der Kirche zu vergeben oder sich mit ihr zu versöhnen. Im Namen der Kirche drücke ich offen die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen. Gleichzeitig bitte ich euch, die Hoffnung nicht aufzugeben. (...) Ich glaube zutiefst, dass diese heilende Kraft der aufopfernden Liebe Befreiung und die Verheißung eines Neuanfangs bringt. (...)
An die Priester und Ordensleute, die Kinder missbraucht haben: Ihr habt das Vertrauen, das von unschuldigen jungen Menschen und ihren Familien in euch gesetzt wurde, verraten und ihr müsst euch vor dem allmächtigen Gott und vor den zuständigen Gerichten dafür verantworten. (...) Erkennt eure Schuld öffentlich an, unterwerft euch der Rechtsprechung, aber zweifelt nicht an der Gnade Gottes.
An die Eltern: Ihr seid zutiefst entsetzt über die furchtbaren Dinge, die an den Orten stattgefunden haben, die die sichersten und sorgenfreiesten hätten sein sollen. (...) Während ihr eure lebenswichtige Verantwortung wahrnehmt, möchte ich euch versichern, dass ich euch nahe bin und die Unterstützung meiner Gebete anbiete.
An die Kinder und die Jugend Irlands: (...) Wir sind alle skandalisiert von den Sünden und dem Versagen von einigen Mitgliedern der Kirche, besonders durch die derer, die eigens dazu ausgesucht waren, jungen Menschen zu dienen und sie anzuleiten. Aber es ist die Kirche, in der ihr Christus findet, der derselbe ist, gestern, heute und morgen. Er liebt euch und er hat sich am Kreuz für euch hingegeben. Sucht eine persönliche Beziehung zu ihm (...), denn er wird nie euer Vertrauen missbrauchen! (...)"
Weitere Artikel:
- Der Hirte und sein Brief
- KOMMENTAR · HIRTENBRIEF: Fragen bleiben
- REAKTION: Nicht ausreichend
- Missbrauch in anderen Ländern
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22.03.2010
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