Briten wollen Assange nicht laufenlassen

Verlässt Wikileaks-Gründer Assange die Botschaft Ecuadors in London? Er versteckt sich dort seit 2012, um nicht nach Schweden ausgeliefert zu werden.

ANDRÉ ANWAR |

Nun kommt wieder Bewegung in den festgefahrenen Fall Assange. Gestern verkündete der 44-jährige Wikileaks-Gründer, er wolle sich heute um Punkt 12 Uhr freiwillig den britischen Behörden zur Auslieferung an Schweden stellen. Dies aber nur, wenn ein mit dem Fall Assange befasstes UN-Gremium in seinem für heute erwarteten Urteil zu dem Schluss kommt, dass Assanges dreieinhalbjähriger Aufenthalt in der Londoner Botschaft Ecuadors nicht als willkürliche Inhaftierung zu beanstanden ist.

Der britische Sender BBC meldete indes kurz darauf, das UN-Urteil werde zu Assanges Gunsten ausfallen. Schwedische Behörden bestätigten dies. Die Experten sind der Ansicht, dass Großbritannien und Schweden Julian Assange widerrechtlich der Freiheit berauben, seine Botschafts-Zuflucht indirekt eine unrechtmäßige Haft darstellt. Assange fordert in diesem Fall seinen Pass zurück und die Einstellung der Verfahren.

Assange hatte sich 2014 bei dem UN-Gremium beschwert. Das Urteil ist rechtlich nicht bindend, aber meist haben Staaten daraufhin freiwillig eingelenkt. Doch von britischer Seite hieß es, sollte Assange die Botschaft verlassen, werde er festgenommen. Schweden sieht dies ähnlich.

Assange flüchtete 2012 in die Botschaft, nachdem ein britisches Gericht seine Auslieferung an Schweden befürwortet hatte. Die britische Polizei bewacht die Botschaft seitdem. Die Beschuldigungen, die in Schweden gegen Assange bestehen, sind umstritten. Dass eine Rufmordkampagne der USA hinter der Sache steckt, glaubt kaum jemand. Assange hatte sich davon distanziert.

Assange wurde 2010 der "weniger groben Vergewaltigung", der sexuellen Nötigung und der sexuellen Belästigung von zwei schwedischen Wikileaks-Helferinnen verdächtigt. Nur der Vergewaltigungs-Verdacht ist nicht verjährt. Assange hatte sich nach Aussage der Frauen zuschulden kommen lassen, entgegen deren Bitte kein Kondom beim einvernehmlichen Sex benutzt zu haben. Die Frauen brachen den ungeschützten Verkehr aber nicht ab, obwohl ihnen die Lage bewusst war.

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