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Blutige Krawalle in Ägypten

Spätfolgen einer Fußball-Tragödie: In Ägypten haben Todesurteile zu schweren Krawallen geführt. Dutzende Menschen starben am Wochenende. Die Armee versucht, mit Panzern für Ruhe zu sorgen.

Autor: MARTIN GEHLEN |
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Panzer sind in den Straßen aufgefahren. Ägyptische Kriegsschiffe eskortieren Handelsschiffe auf ihrem Weg durch den Suez-Kanal. Am Himmel patrouillieren Hubschrauber. Seit dem Wochenende eskaliert die Gewalt in Ägypten auch entlang des berühmten Wasserwegs.

In Port Said nahmen Unbekannte gestern den großen Beerdigungszug für die drei Dutzend Todesopfer vom Vortag unter Feuer. Panisch rannte die Menge auseinander, zehn von ihnen wurde durch Kugeln verletzt. Im 170 Kilometer entfernten Suez, wo neun Menschen starben, brannten Angreifer eine Polizeiwache nieder, befreiten 25 Untersuchungshäftlinge und räumten die Waffenkammer leer.

Seit dem zweiten Jahrestag der Revolution am vergangenen Freitag erlebt Ägypten eine bisher beispiellose Welle von Aufruhr und Gewalt, die längst nicht mehr nur auf den Tahrir-Platz und das unmittelbare Zentrum von Kairo begrenzt ist, sondern alle größeren Städte in Ober- und Mittelägypten sowie im Nil-Delta erfasst. Der Nationale Verteidigungsrat drohte gestern, über die Unruhegebiete das Kriegsrecht und eine nächtliche Ausgangssperre zu verhängen.

"Ein Land - zwei Völker", titelte kürzlich eine Kairoer Zeitung. Zwei Jahre nach dem Sturz von Hosni Mubarak sind die 85 Millionen Ägypter so tief gespalten und frustriert wie nie zuvor - Spannungen, die sich am Samstag erneut entluden, als der Vorsitzende Richter Sobhy Abdel Maguid im Staatsfernsehen die Liste der 21 zum Tode verurteilten Fußballfans aus Port Said verlas. Die Katastrophe hatte sich vor einem Jahr ereignet: Kaum hatte der Schiedsrichter die Erstliga-Partie zwischen der aus Kairo angereisten Elf von Al Ahly und dem Team des heimischen Al-Masry-Clubs abgepfiffen, verwandelte sich das Stadion in ein Inferno. Fans aus Kairo wurden durch Al-Masry-Schläger von den Tribünen in den Tod gestoßen. Dutzende Opfer lagen nach dem Blutrausch erschossen oder erstochen auf dem Rasen. Am Ende beklagte die geschockte Nation 74 Tote und über 1000 Verletzte - die schlimmsten Fußball-Krawalle in der Geschichte Ägyptens.

Nach den spektakulären Todesurteilen brach vor den Toren der Polizeiakademie in Kairo frenetischer Jubel bei den Angehörigen der Getöteten aus. In der 400 Kilometer entfernten Suez-Stadt Port Said hingegen rannten aufgebrachte Menschen zu dem Zentralgefängnis und versuchten, die zum Tode Verurteilten zu befreien. Polizeistationen wurden geplündert, Autos angezündet, stundenlang waren in der Stadt Schusswechsel zu hören. Gestern verzeichneten die Behörden 36 Tote und über 330 Verletzte. Nun hat die Armee in Port Said und Suez das Heft in die Hand genommen.

Präsident Mursi sagte gestern seine Reise zum Afrika-Gipfel nach Addis Abeba ab. Ob der ägyptische Staatschef wie geplant am kommenden Mittwoch nach Berlin kommt, ist unklar.

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