Bischof: Kirche hat vertuscht

Trier/Rottenburg.  Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche, Bischof Ackermann, räumt ein, dass die Kirche sexuelle Übergriffe vertuscht hat. In Baden-Württemberg sind neue Vergehen an Kindern bekanntgeworden.

Durch falsche Rücksichtnahme habe die Kirche verhindert, dass sexueller Missbrauch in katholischen Einrichtungen aufgeklärt wurde, erklärte der Trierer Bischof Stephan Ackermann gestern. "Da, wo kein wirklicher Aufklärungswille vorhanden war und Täter einfach nur versetzt wurden, müssen wir in einer ganzen Reihe von Fällen gestehen, dass vertuscht worden ist", sagte der Missbrauchsbeauftragte. Die Schuldfrage sieht er weniger bei der Kirche als Institution. Schuldig seien die Täter und ihre Vorgesetzten geworden.

Wegen des Missbrauchsskandals sieht Kurienkardinal Walter Kasper die Glaubwürdigkeit der Kirche als weithin verspielt an. Es werde einige Zeit dauern, bis die Kirche sie zurückgewinne. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sagte: "Die Trauer, der Schmerz und der Zorn über das schreckliche Versagen von manchen Priestern und anderen Mitarbeitern machen mich fassungslos und trostlos."

In den 50er und 60er Jahren soll sich der Gemeindepfarrer von Wurmlingen - heute ein Ortsteil von Rottenburg am Neckar - systematisch an Jungen vergangen haben. Der Eutinger Hobby-Dichter Anton Birlinger wurde nach eigenen Angaben von dem Geistlichen missbraucht. Die Erlebnisse hat er in einem Gedicht in seinem Buch "Streuobst" verarbeitet. Er habe dies vor einem Jahr geschrieben. Dass das Buch jetzt herauskäme, sei Zufall. Weitere Opfer bestätigen Übergriffe. Der Priester ist 1991 gestorben. Der jetzige Ortspfarrer hat den Fall der Missbrauchskommission der Diözese Rottenburg/Stuttgart gemeldet. Der Diözesanrat will sich morgen damit befassen.

Im Bad Mergentheimer Kloster soll ein heute 80-jähriger Pater des Kapuzinerordens Anfang der 70er Jahre einen Schüler missbraucht haben. Das Opfer hat sich gemeldet. Der Beschuldigte ist vor zwei Jahren nach Bad Mergentheim zurückversetzt worden. Wegen Auffälligkeiten sei er seit Jahren von seelsorgerischen Diensten entbunden. Das Bistum Mainz hat eingeräumt, dass es früher Hinweise auf Missbrauch im Knabenkonvikt Bensheim gab. Der Heimleiter soll in den 70er Jahren drei Schüler missbraucht, zwölf misshandelt haben. Das bayerische Kabinett will rechtsfreie Räume im Zusammenhang mit Missbrauch an Kindern und Jugendlichen nicht dulden. Es müsse ohne Ausnahme die Linie von null Toleranz gelten. Die bayerischen Bischöfe befassen sich heute mit dem Thema.

Missbrauch ging in den vergangenen Jahrzehnten auch am Internat Schloss Salem nicht vorbei. "Es gab Situationen, wo Schüler sich an mich wandten oder an andere Mitarbeiter und erklärten, sie seien belästigt worden", sagte der ehemalige Schulleiter Bernhard Bueb. Die verantwortlichen Lehrer seien daraufhin entlassen worden, er selbst habe sofort die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Im Vergleich zur Odenwaldschule seien die Fälle aber harmlos gewesen. dpa/KNA


Kommentare (2)

17.03.2010 10:18 Uhr |   freierchrist

Ausschließen, statt vertuschen, oder zu versetzen...

Kennen die Schriftgelehrten in den langen Gewändern, das Wort Gottes, die Bibel nicht ?
Traurig !

Paulus schrieb im 1. Korintherbrief 5, 9-13:
Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr nichts zu schaffen haben sollt mit den Unzüchtigen. Damit meine ich nicht allgemein die Unzüchtigen in dieser Welt oder die Geizigen oder Räuber oder Götzendiener; sonst müsstet ihr ja die Welt räumen. Vielmehr habe ich euch geschrieben: Ihr sollt nichts mit einem zu schaffen haben, der sich Bruder nennen lässt und ist ein Unzüchtiger oder ein Geiziger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber; mit so einem sollt ihr auch nicht essen.
Denn was gehen mich die draußen an, dass ich sie richten sollte?
Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind?
Gott aber wird die draußen sind richten.
Verstoßt ihr den Bösen aus eurer Mitte!
(Lutherübersetzunng)

Diese Worte der Bibel sind gültig für die kath. als auch für die ev. Kirchenoberhäupter
17.03.2010 07:36 Uhr |   herzi

da wo Macht ist...

wird Macht mißbraucht. Die Kirche sieht sich selbst nicht als Täter? Lächerlich, diese eigenständige, fast frei von jeglicher Verfolgung stehender Institution hat es erst möglich gemacht das es zu solchen Übergriffen kam. Denn wie sahen die Sanktionen denn bis jetzt aus? Fälle gab es genug, Vertuscht wurde mehr. Eine kleine Versetzung und schon hatten die Versetzten neue *Anvertraute*. Unser Rechtsstaat ist dies bezüglich in Sanktionen und Rechtssprechungen schon lächerlich, die Kirche setzt dem ganzem noch eine Krone auf! Meine persöhnliche Meinung zu diesem Thema: Ich verabscheue Gewalt, aber ich bin gängig mit der Meinung vieler Islamischer Staaten die fordern : Todesstrafe für Kinderschänder! Ich selbst habe eine Tochter im Alter von 10 Jahren und schicke sie jeden Tag mit guten Glauben zur Schule mit der Selbstverständlichkeit das sie unversehrt nach Hause kommt.

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17.03.2010

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