Bayerns SPD hat Frühlingsgefühle: Ude muss in die Bude

Es war ein Politischer Aschermittwoch der älteren Herren. Die CSU ließ in Passau ihren früheren Parteichef Edmund Stoiber das Wort führen, bei der SPD beschwor Christian Ude den Machtwechsel im Freistaat.

Sie kennen sich schon so lange und sie haben schon gemeinsam so viele bittere Niederlagen einstecken müssen. Franz Maget etwa, der glücklose SPD-Ministerpräsidentenkandidat, der bei der letzten Landtagswahl in Bayern mit 18,6 Prozent abgestraft wurde. Der Rechtsexperte Paul Gantzer - seit 33 Jahren im Landtag und immer nur Opposition. Sie haben über die Jahrzehnte erlebt, wie es für die bayerischen Sozialdemokraten immer nur eine Richtung gab: die nach unten.

Doch diesmal scheint alles ganz anders zu sein für sie und die anderen Genossen beim Politischen Aschermittwoch der SPD im niederbayerischen Vilshofen. Fanden sonst mal 500, mal 800 Besucher den Weg in den Wolferstetter Keller, so hat die Parteispitze diesmal ein großes weiß-blaues Zelt auf dem Volksfestplatz nahe der Donau angemietet. Zuerst war es für 2000 Besucher geplant, dann wurde es für 3000 erweitert - schlussendlich fanden gar 3500 Platz. Sehr viel mehr, so wird gemutmaßt, dürften es bei der CSU in Passau auch nicht sein.

Die neue Hoffnung der Bayern-SPD hat einen Namen. Er ist auf Bierdeckel gedruckt, auf die die Bedienungen im Dirndl schon am Morgen reihenweise das Weißbier stellen, und er steht auf einem Plakat der SPD Main-Spessart: "Ude muss in die Bude." Gemeint sind damit die bayerische Staatskanzlei und der SPD-Spitzenkandidat Christian Ude, derzeit noch Oberbürgermeister von München.

Die Besucher werden nicht enttäuscht. Die SPD-Manager haben dazugelernt bei der Inszenierung von Großereignissen. Hunderte rote SPD-Fähnchen werden geschwenkt, als die Parteiprominenz einmarschiert - neben dem 64-jährigen Ude auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sowie Landeschef Florian Pronold.

"Auf gehts!", ruft die 44-jährige Generalsekretärin Natascha Kohnen, sie hat durchaus Einheizer-Qualitäten. Florian Pronold (39) gibt die sozialdemokratische Grundmelodie bis zur Landtagswahl im Herbst 2013 vor: "Bayern ist zu schön, um es der CSU zu überlassen."

Der SPD-Herausforderer selbst wird stehend und frenetisch beklatscht, immer wieder erschallen "Ude, Ude"-Rufe. Im dunkelgrauen Janker betritt er die Bühne, sagt dass er schon seit 45 Jahren für die SPD aktiv ist - "aber eine solche Veranstaltung habe ich noch nie erlebt". Er mokiert sich über die CSU, die in Passau die SPD als "Scherbenhaufen" bezeichnet hat und lacht: "Das ist der schönste Scherbenhaufen, den es gibt."

Im tiefen August-Sommer des vergangenen Jahres hatte der beliebte OB die bayerische Landespolitik komplett durchgerüttelt mit seiner Aktion, sich als SPD-Herausforderer von Horst Seehofer zu positionieren. Es geschah wie ein Überfall, alle Gremien der Partei ließ Ude außer Acht. Für das OB-Amt kann er aus Altersgründen nicht mehr antreten, nun kommt er als Retter, als Grandseigneur in die Landespolitik.

In Vilshofen muss sich Ude erst einmal warm reden, doch das nimmt die Parteibasis ihrer neuen Leuchtfigur nicht übel. Als er die "Bonsai-Strategen" der CSU angreift und sich über den Altersunterschied zwischen ihm und Horst Seehofer lustig macht ("Ich habe nur zwei Lebensjahre mehr Erfahrung - das merkt man aber auch"), jubeln die Genossen. Erstmals haben sie eine Art Glauben, eine Art nicht unberechtigte Hoffnung, dass es hier einen gibt, der sie zur Macht im Maximilianeum führen kann.

In Passau hält sich CSU-Chef Horst Seehofer angesichts seiner derzeitigen Rolle als geschäftsführendes Staatsoberhaupt mit Attacken zurück. "Sie können sich denken, wie schwer das fällt", räumt er ein. Für die Attacke war bei der CSU Edmund Stoiber eingeplant. "Ich stehe ja nicht mehr auf dem Spielfeld. Ich sitze auf der Tribüne." Überrascht sei er gewesen, als man ihm um die Rede bat. "Das können Sie sich ja vorstellen." Dann habe er aber begeistert zugesagt. Gut eine Stunde spricht Stoiber - vor allem von den vergangenen Jahrzehnten, der Regierungszeit von Strauß, seiner eigenen und von dem großen Erfolg, den Bayern deswegen habe.

Nicht jedem der 4000 Besucher in der Nibelungenhalle gefällt das. "Wer die Vergangenheit wie eine Ikone vor sich her trägt, ist selbst Vergangenheit", kritisiert Erwin Huber - glückloser Nachfolger Stoibers als CSU-Chef. Das breite Publikum hat solche Skrupel nicht. "Ich habe immer gehofft, dass er mal wieder spricht", sagt der Niedersachse Uwe Wehrspaun, der zum 15. Mal nach Passau gekommen ist. Er trägt das Stoiber-Kanzlerkandidaten-T-Shirt aus dem Jahre 2002.


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Autor: PATRICK GUYTON UND DPA | 23.02.2012

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