Atomzentren von Feuer bedroht

Moskau.  In Russland spitzt sich die Lage weiter zu: Mehrere Atomanlagen sind von den Waldbränden bedroht, in Moskau sterben täglich 700 Menschen an den Folgen von Hitze und Smog. Löschflugzeuge können in dem dichten Rauch nicht fliegen.

Die russischen Behörden haben in der Umgebung der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Majak bei Tscheljabinsk am Ural wegen der Waldbrände den Ausnahmezustand verhängt. Vorerst sei das Betreten der Wälder und Parkanlagen in der Gegend etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau verboten, teilten die Behörden nach Angaben der Nachrichtenagentur Ria Nowosti am Montag mit. Das Zentrum samt Lagerstätte selbst war dem Vernehmen nach zunächst nicht betroffen. Für diesen Dienstag wurde in Majak eine Krisensitzung angesetzt.
 
Auch in der Nähe der atomaren Forschungsanlage Sneschinsk – etwa 80 Kilometer nördlich von Tscheljabinsk - brannten die Wälder. Die Flammen waren nach Behördenangaben aber rund 15 bis 20 Kilometer von dem Zentrum entfernt, in dem Atomwaffen geplant und gewartet werden. Katastrophenminister Sergej Schoigu ordnete für das Gebiet eine Brandbekämpfung rund um die Uhr an, wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete. Alle Einsatzkräfte sollten sich auf Sneschinsk konzentrieren, solange Feuer in dessen Nähe loderten. Die Brandbekämpfung in einem Naturpark der Region Tscheljabinsk sollte deswegen erst später fortgesetzt werden. Dort stehen 40 Hektar Wald in Flammen. In einigen Regionen habe die Feuerwehr aber inzwischen Erfolge im Kampf gegen die Brandkatastrophe verbucht, teilte das Ministerium mit.
 
Am Wochenende hatten mehr als 2000 Rettungskräfte den tagelangen Kampf gegen die Flammen in der Nähe der atomaren Forschungsanlage Sarow etwa 400 Kilometer östlich von Moskau erfolgreich beendet. Zuvor hatten sie eine acht Kilometer lange und etwa 150 Meter breite Brandschneise um die Anlage geschlagen.
 
Landesweit loderten nach Behördenangaben 550 Brände, 40 davon in der Nähe von Moskau. Über Moskau lag am Montag den sechsten Tag in Folge dichter Smog, der den Menschen den Atem nahm. Die Schadstoffe in der Luft waren gegenüber dem Grenzwert um das Zwei- bis Dreifache überhöht. Die Zahl der Sterbefälle in der Hauptstadt verdoppelte sich auf täglich etwa 700. In den Leichenhallen Moskaus waren 1300 Tote aufgebahrt, nur 200 unter der Kapazitätsgrenze.
 
Der Leiter des russischen Wetterdienstes sagte, nach historischen Unterlagen zu urteilen, könne es sich um die schlimmste Hitzewelle seit 1000 Jahren handeln. „Dieses Phänomen ist absolut einzigartig“, sagte Alexander Frolow. Die Tageshöchstwerte liegen seit Wochen bei fast 40 Grad, und auch für diese Woche wurde keine grundlegende Änderung erwartet.
 
Schoigu sagte, der dichte Rauch über der Region Moskau mache den Einsatz von Löschflugzeugen unmöglich. Die Maschinen stünden aber bereit und kämen zum Einsatz, sobald sich die Bedingungen besserten, wurde der Minister zitiert. Aus mehreren Ländern trafen am Wochenende Löschflugzeuge in Russland ein. Das französische Außenministerium kündigte laut Itar-Tass die Lieferung von 30.000 Atemschutzmasken für Einwohner Moskaus an, am Sonntagabend brachen außerdem drei französische Experten für Brandbekämpfung nach Russland auf. Deutschland schickte bereits am Samstag als Sofortmaßnahme 100.000 Atemschutzmasken. (dpa/apn)

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