Atomausstieg wird teurer
Obrigheim. Die Demontage des Kernkraftwerks Obrigheim wird um 100 Millionen Euro teurer als geplant. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, ist fraglich.
Zwar seien die Arbeiten am ältesten kommerziellen Meiler bisher termingerecht erledigt worden, jetzt aber scheint der Zeitplan in Gefahr zu sein. "Es gibt so viele Unwägbarkeiten", sagte Michels. Weil bundesweit acht Atomblöcke "abrupt" hätten vom Netz genommen werden müssen, komme auf die Aufsichtsbehörden eine Vielzahl an Anträgen zu. Jeder Schritt des Rückbaus bedarf einer extra Erlaubnis. In Obrigheim gibt es bisher zwei von vier notwendigen Genehmigungen.
Die ENBW hat im März 2011 jeweils eines von zwei Atomkraftwerken in Neckarwestheim und Philippsburg abgeschaltet. Der zweite Meiler in Philippsburg soll bis 2019 Strom liefern, Neckarwestheim II wird nach jetzigem Stand 2022 als letzter deutscher Reaktor vom Netz gehen. Die Betreiberin hat 5,4 Milliarden Euro für den Ausstieg aus der Atomenergie eingeplant.
Zusätzliche Kosten kommen auf die AKW-Betreiber durch eine bessere Sicherung der atomaren Zwischenlager zu. Das Bundesumweltministerium hat gestern eine Nachrüstung angekündigt, auf die sich die Unternehmen und die Kontrollbehörden der Länder geeinigt hätten. Demnach müssen die Anlagen gegen "Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkung Dritter" geschützt werden. "Dazu zählen auch mögliche terroristische Angriffe", teilte das Ministerium in Berlin mit. Mit dem Beginn der Baumaßnahmen sei in diesem Jahr zu rechnen. Details werden geheim gehalten. Es geht hauptsächlich um höhere Mauern und massivere Toranlagen. An den bayerischen Atommeilern ist der Bau zehn Meter hoher Mauern vorgesehen. Die Lagerhalle in Gundremmingen ist 18 Meter hoch.
Drei der 17 Zwischenlager liegen in Baden-Württemberg. In Neckarwestheim können 152 Container mit hochradioaktiven Atommüll in zwei Stollen abgestellt werden. Die Höhe der Eingangshalle beträgt laut Genehmigung 16,6 Meter.
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Autor: HANS GEORG FRANK | 12.01.2012
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Scheinwerfer beleuchten im Kernkraftwerk Gundremmingen (Schwaben) den offenen Reaktor.
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