Armee wollte vertuschen

Berlin.  Eine eigens geschaffene Gruppe im Verteidigungsministerium sollte offenbar Nachrichten über den tödlichen Luftangriff in Kundus vertuschen.

Das Verteidigungsministerium hat offenbar bewusst versucht, die Vorgänge rund um das tödliche Bombardement auf zwei Tanklaster in Nordafghanistan zu verschleiern. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, bestätigte gestern vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestages die Existenz einer "Gruppe 85" im Ministerium. Sie soll einem Medienbericht zufolge den Vorfall gezielt vertuscht haben. Am 4. September waren bei dem von der Bundeswehr ausgelösten Luftangriff der Nato bis zu 142 Menschen getötet worden, darunter viele Zivilisten.

Schneiderhan erklärte auf Nachfrage des Grünen-Verteidigungsexperten Omid Nouripour, er habe von der Existenz der Gruppe und von ihrem Auftrag gewusst. Er sei nicht eingebunden gewesen. Zuvor hatte "Spiegel Online" berichtet, dass im Ministerium "eigens eine Arbeitsgruppe aus mindestens fünf Beamten gegründet wurde, um die Ermittlungen der Nato" zu dem tödlichen Bombardement auf die entführten Tanklaster zu beeinflussen.

Wie "Spiegel Online" unter Berufung auf interne Dokumente berichtete, sollte die "Gruppe 85" - laut Schneiderhan identisch mit der sogenannten "Wichert-Runde" - durch eine Kommunikationsstrategie im Fall Kundus ein "positives Bild auch des Erfolgs" möglich machen und Kritik an der Bundeswehr gezielt verhindern.

Die "Gruppe 85" wurde demnach schon am 9. September ins Leben gerufen, fünf Tage nach dem Luftangriff. Geleitet wurde sie, dem Bericht zufolge, vom mittlerweile entlassenen Staatssekretär Peter Wichert. Damals war noch der CDU-Politiker Franz Josef Jung Verteidigungsminister.

Ex-Generalinspekteur Schneiderhan hat sein Verhalten nach dem verheerenden Luftschlag verteidigt. Vor dem Ausschuss wies er Vorwürfe zurück, er und seine Mitarbeiter hätten den Verteidigungsminister nicht ausreichend über den Luftschlag informiert.

Zugleich tauchte ein Brief Schneiderhans an zu Guttenberg auf, demzufolge der Vier-Sterne-General diesem hinsichtlich des Angriff "zu Zurückhaltung und Vorsicht geraten" haben will. Offenbar auf Basis dieses Berichts hatte Guttenberg den Angriff zunächst als angemessen bezeichnet. Später nahm er dieses Urteil aber zurück. apn/dpa


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19.03.2010

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