Ulm/Neu-Ulm:

wolkig

wolkig
0°C/-5°C

Antreten für Afghanistan

Ein gefälschter Brief verursacht heftige Aufregung in Gammertingen. Männer werden zum Wehrdienst in Afghanistan aufgefordert.

HANS GEORG FRANK | 0 Meinungen

Holger M. Jerg (42), seit 1999 Bürgermeister von Gammertingen im Kreis Sigmaringen, schwankt zwischen Empörung und Respekt. Unbekannte Militärgegner haben in der Stadt mit 6700 Einwohnern dutzendweise amtlich erscheinende, aber gefälschte Briefe verteilt, die der Christdemokrat Jerg als "ganz gut gemacht, farblich toll gestaltet und voller Detailwissen" lobte, selbst seine Unterschrift habe wie echt gewirkt.

Doch der Bürgermeister hat Strafanzeige erstattet gegen Urheber und Verteiler. Der Vorwurf lautet auf Amtsanmaßung und Urkundenfälschung. Um die Spitzbuben zu erwischen, wird eine Belohnung von 500 Euro versprochen.

Mit der "Bekanntmachung an alle Bürger" werden die wehrfähigen Gammertinger aufgefordert, sich "innerhalb der nächsten zwei Wochen" zur Musterung im Rathaus zu melden. Die Stadtverwaltung wolle "die 11 Tauglichsten der Gemusterten" zu einer Schnellausbildung in die Kaserne und von dort nach Afghanistan schicken, war unter dem Briefkopf der Stadt zu lesen. Die Maßnahme sei notwendig, weil in den letzten Tagen viele Soldaten aus Sigmaringen ums Leben gekommen seien. Wer der Aufforderung nicht Folge leiste, müsse mit "polizeilichen Maßnahmen" rechnen. "Das ist an Geschmacklosigkeit und krimineller Absicht nicht zu übertreffen", schimpfte Jerg. Es seien ja tatsächlich leider viele Soldaten gestorben, verletzt oder nachhaltig geschädigt worden - "damit treibt man doch kein Schindluder", sagte er der SÜDWEST PRESSE.

Mit der 4. Kompanie des Führungsunterstützungsbataillons 291 in Sigmaringen unterhält Gammertingen seit letztem Jahr eine umstrittene Patenschaft. Darin sieht der Bürgermeister die Motivation für die Fälschungsaktion. Denn seit einigen Tagen gebe es "eine konzertierte Aktion" gegen diese Beziehung. Im Rathaus seien bereits 380 Unterschriftenlisten, "sogar aus der Lüneburger Heide", eingetroffen, "und unser E-Mail-Postfach quillt auch über."

Dabei gehe es der Stadt, die kein Garnisonsstandort ist, nicht um "eine Militarismusunterstützung", sondern um die "Staatsbürger in Uniform und ihre Familien", betonte Jerg, der nicht gedient hat.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Singender Polizist

Polizist Jeff Davis in Aktion.

Ein singender Polizist ist im US-Staat Delaware zum Internet-Star geworden. Hier können Sie das Video anschauen. mehr

Selfie-Sticks boomen

Vor allem bei Asiaten ist der Stick schon lange beliebt - auch beim Besuch der Münchner Wiesen.

Selfie am Stiel: An Selbstporträts mit dem Handy stört vor allem eines – der eigene Arm im Bild. Abhilfe schaffen Selfie-Stangen. mehr

Isländer sammelt Penisse

Hjörtur Gísli Sigurðsson, der Direktor des Phallus-Museums in Reykjavik.

Andere Menschen sammeln Briefmarken oder Schallplatten. Ein Isländer sammelt Penisse. Von der Maus bis zur Giraffe hat er schon fast alles zusammengetragen. Das erste menschliche Exemplar aber ließ lange auf sich warten. mehr