«Zauberer» Berlusconi lässt in Rom demonstrieren

Rom.  Eine Woche vor den wichtigen Regionalwahlen in Italien sind am Samstag in Rom zehntausende Anhänger des konservativen Regierungschefs Silvio Berlusconi zu einer Solidaritätskundgebung auf die Straße gezogen.

Nach Angaben von Berlusconis Partei «Volk der Freiheit» (PdL) strömten eine Million Menschen auf der Piazza San Giovanni zusammen, um dem Ministerpräsidenten und seiner Regierung den Rücken zu stärken. Die Polizei sprach dagegen von nur 150 000 Teilnehmern. Die Mitte-Rechts-Partei hatte den Slogan «Die Liebe siegt immer über Missgunst und Hass» für die Kundgebung ausgegeben.

«Wir sind hier, um auf zwei Monate der ungerechten und ausfallenden Angriffe zu antworten», wetterte der 73-jährige Regierungschef gegen die «roten Richter» und ihm «feindlich» gesonnene Medien. Die Opposition sei zwar nicht in der Lage zu regieren, strebe aber zusammen mit linken Magistraten und «hasserfüllten» Talkshows an, ihn zu Fall zu bringen, erklärte Berlusconi. Unter dem Beifall der Menge versprach der Medienmogul, der sich selbst schon als Gott und Supermann bezeichnet hat, seinen Gefolgsleuten: «Wir wollen auch den Krebs besiegen in den drei Jahren Legislaturperiode, die uns noch verbleiben.»

Mitglieder der Opposition erklärten, die Demonstration habe eher einem Ritus als einer politischen Kundgebung geglichen. «Jedes Maß ist überschritten worden. Berlusconi benimmt sich wie ein Zauberer», zitierte die Tageszeitung «La Repubblica» (Sonntagausgabe) Rosy Bindi von der größten Oppositionspartei PD («Demokratische Partei»).

Vor dem Hintergrund von Affären, Korruptionsprozessen und eines Streits um die Zulassung von PdL-Listen bei den Regionalwahlen am 28. und 29. März hat Berlusconis Popularität in jüngsten Umfragen einen Dämpfer bekommen. Am Samstag wurde auch der letzte Anlauf des Regierungschefs abgeschmettert, seine in der Hauptstadt Rom und Provinz ausgeschlossenen Listen durch einen Aufschub der Wahlen noch zu retten: Das zuständige Berufungsgericht entschied dagegen.

Trotzdem hatte Berlusconis Lager mindestens eine halbe Million Menschen auf der Kundgebung erwartet, die sich von Demonstrationen der Kritiker durch eine «festliche Atmosphäre» abheben wollte.

«Berlusconi ist in Schwierigkeiten, er fürchtet die Stimmenthaltung im Süden und ein Votum im Norden für (den rechten Koalitionspartner) Lega Nord», kommentierte die PD. In den letzten Wochen hatte die Opposition mehrfach Zehntausende von Menschen gegen Berlusconi auf die Straße gebracht.

Zwei Jahre nach der Wahl Berlusconis zum Regierungschef und drei Jahre vor dem nächsten nationalen Urnengang gelten die Wahlen in 13 der 20 Regionen als der wichtigste Stimmungstest für den umstrittenen Ministerpräsidenten.


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21.03.2010

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