Riesenschaden in Rastatt: Bahntunnel soll mit Beton gefüllt werden

In Rastatt droht der Bahn ein Bau-Desaster. Die Röhre unter der Stadt muss mit Beton gefüllt werden. Die Bohrmaschine ist verloren, wie es weitergeht, völlig unklar.

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Abgesenkte Bahn-Gleise sind am 13.08.2017 auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Baden-Baden bei Rastatt Niederbühl.  Foto: 

Die Schäden an der Baustelle des Tunnels der Rheintalbahn in Rastatt weiten sich deutlich aus. Am Dienstag habe es neue Erdbewegungen gegeben, sagte der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Baden-Württemberg, Sven Hantel, in Karlsruhe. Jetzt soll der Tunnel unter den abgesackten Gleisen mit Beton ausgefüllt werden, um ihn zu stabilisieren. Der bisherige Plan, den Zugbetrieb auf der wichtigen europäischen Nord-Süd-Verbindung am 26. August wieder aufzunehmen, stehe in Frage. „Eine genaue Prog­nose können wir heute nicht abgeben.“ Alle Arbeiten im Tunnel seien komplett eingestellt worden, auch in der bisher nicht betroffenen Weströhre.

Geplant sei nun, die Oströhre des Tunnels auf 50 Metern Länge komplett mit Beton auszufüllen. Diese Stabilisierung sei Voraussetzung, um die Bahnstrecke zu reparieren. Weil die teure Tunnelbohrmaschine nicht geborgen werden könne, müsse sie aufgegeben werden.

Wie es mittelfristig weitergeht, ist derzeit offen. „Wir werden natürlich den Rastatter Tunnel weiterbauen“, sagte Hantel. Wie? Das sei noch nicht klar. Auch zu den zu erwartenden Kosten machte er keine Angaben. „Priorität hat die Stabilisierung und die Wiederherstellung des Betriebs“, sagte Hantel. Warum es Risse im Boden und Erdbewegungen gegeben habe und Wasser in den Tunnel gelaufen sei, müsse noch geklärt werden. „Bei der Schadensursache können wir gar nichts ausschließen.“ Das sei eine Frage der Gutachter und Experten.

Der vielbefahrene Abschnitt auf der europäischen Hauptstrecke zwischen Rotterdam und Genua war am Samstag um 11 Uhr gesperrt worden, nachdem ein Messgerät und die Tunnelarbeiter Alarm geschlagen hatten. Man habe den Zugverkehr sofort gestoppt. Die Räumung von vier Wohnhäusern unmittelbar an der Baustelle sei eine Vorsichtsmaßnahme, sagte der Konzernbevollmächtigte. Wann die Bewohner zurückkehren können, sei unklar. Inzwischen wurde dort die Versorgung mit Gas und Wasser vorsorglich abgesperrt.

Der Rastatter Abschnitt ist ein wichtiger Teil des Ausbaus der Rheintalbahn. Um die Stadt vom Lärm zu entlasten, soll ein knapp 4300 Meter langer Tunnel mit zwei getrennten Röhren unter der Stadt durchführen.

Der Schaden ist dort aufgetreten, wo der Tunnel die alte Bahnstrecke kreuzt. Dort gibt es nur wenige Meter Erde zwischen dem Tunnel und der Oberfläche. Um das unterirdische Bohren in diesem Umfeld überhaupt zu ermöglichen, wurde mit einem neuartigen Verfahren der Boden vereist. Damit sollte der Untergrund fest und wasserundurchlässig werden.

Der Schienenersatzverkehr für Reisende zwischen Rastatt und Baden-Baden funktioniere inzwischen gut, sagte Hantel. Schwieriger sei es im Güterverkehr auf der international bedeutenden Strecke. Es gebe bis zu 170 Anfragen für Güterzüge auf der Strecke täglich. Jetzt sollen Ausweichstrecken in Deutschland, Frankreich und der Schweiz angeboten werden. Güterzüge stauten sich nach Bahnangaben überall auf der Strecke von Rotterdam bis Genua. Die Bahn rechnet damit, dass Spediteure Verkehr vorübergehend auf die Straße verlagern.

Keine Ausweichroute

Der Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel  kritisierte die Bahn für mangelnde Vorsorge. Probleme könnten vorkommen, aber es sei unverzeihlich, dass keine Ausweichstrecken existierten, teilte Gastel mit. Auch seien Fahrgäste über die Komplikationen und Ausweichmöglichkeiten nur unzureichend informiert worden. Das Aktionsbündnis der Stuttgart-21-Gegner sprach von „Selbstüberschätzung“ und „Versagen“ der Verantwortlichen. Das Beispiel zeige, dass Beteuerungen der Bahn, man habe die Baustelle des Stuttgarter Tiefbahnhofs im Griff, „keinen Pfifferling“ wert seien.

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06.09.2017 22:59 Uhr

Stuttgart darf kein zweites Rastatt werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel (Schutzheilige der S21-Lüge) kam am Dienstag zu einem Podiumsgespräch der örtlichen Zeitungen nach Stuttgart. Die Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 appellierte bei ihrer Ankunft vor dem Haupteingang der Stuttgarter Liederhalle lautstark an sie, dass Stuttgart kein zweites Rastatt werden darf. (...)

Wie in Rastatt behaupteten Bahn und S21-Projektunterstützer realitätsblind, mit „innovativen” technischen Bauverfahren beim S21-Tunnelbau alles im Griff zu haben. Tatsächlich sei aber weder das in Rastatt eingesetzte Bauverfahren erprobt und bewährt noch der Stuttgarter Tunnelbau durch 17 Kilometer quellfähiges Gipskeuper-Gestein. Wer in Stuttgart weiterhin im Anhydrit Tunnel grabe, nehme sehenden Auges einen Kollaps des Bahnknotens Stuttgart und des Bahnverkehrs in ganz Süddeutschland in Kauf.

Angela Merkel hatte 2010 erklärt, an Stuttgart 21 entscheide sich die „Zukunftsfähigkeit Deutschlands“. Nach Rastatt entscheide sich aber die Zukunftsfähigkeit des Bahnverkehrs einmal mehr an Stuttgart 21, so die Bürgerbewegung gegen das Tiefbahnhof-Projekt. Sie fordert, die Tunnelbauarbeiten unverzüglich zu stoppen. Die bereits gegrabenen Gruben könnten für einen Umstieg 21 sinnvoll weitergenutzt werden.

http://www.beobachternews.de/2017/09/05/stuttgart-darf-kein-zweites-rastatt-werden/

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25.08.2017 21:13 Uhr

Bahn hat offenbar die Risiken unterschätzt

Der Tunnelbau in Rastatt, der zur Sperrung der Rheintalstrecke führte, ist wohl anders verlaufen als geplant. Dokumente beweisen, Ingenieure der Bahn haben aber vor den Risiken des Tunnelbaus in Rastatt gewarnt.

(...) Ursprünglich hatte es im Ausschreibungsentwurf geheißen, den Schildtunnelvortrieb „vor Erreichen der Bahntrasse zu beenden“ und den Vortrieb unterhalb der Gleise „in Spritzbetonweise von Süden her“ auszuführen. In der Fachsprache nennt sich das „bergmännischer Vortrieb“. Davon wich man aber offenbar kurzfristig ab. (...)

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.tunnelunfall-an-der-rheintalbahn-am-rastatter-tunnel-wirft-die-bautechnik-fragen-auf.58efbb69-6c0f-4271-948c-370498ec3018.html

Es war im Vorfeld der Bauarbeiten in Rastatt mit Händen zu greifen, dass ein Tunnelbau so knapp unter den bestehenden Bahngleisen und in Sandboden hoch riskant ist. Dass die Deutsche Bahn für den Fall von Problemen keine Ausweichmöglichkeit vorbereitet hat, sondern – offenbar völlig überrascht von dem Gleisschaden – eine der Hauptverkehrsadern – die Strecke Karlsruhe–Basel – auf kaum absehbare Zeit einfach komplett lahmlegen muss, ist unverzeihlich. (...)

Jetzt jammern alle, dass es keine Ersatzstrecken gibt, doch genauso schlimm ist, dass man jetzt die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm baut man und zwar explizit so steil, dass überhaupt keine Güterzüge darauf fahren können. O Herr, schmeiß Hirn ra!

http://www.kopfbahnhof-21.de/Kategorie/pressemitteilungen/

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25.08.2017 21:11 Uhr

So nebenbei

Heute vor sieben Jahren, um 14.25 Uhr, begann man übrigens den Nordflügel des denkmalgeschützten Stuttgarter Hauptbahnhofs abzureißen, während auf dem Weindorf ein aufgeregter Stadtschultheiß namens Wolfgang Schuster (CDU) das Weindorf eröffnete und dabei mit der geballten Faust fast dem Weinfass den Boden ausschlug: "Mir lasset ons onser Wei'dorf net kaputt macha!" Mir onsern Ba'hof au' net, Herr Schuster! - Nur, falls das jemand hier interessieren sollte ...

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24.08.2017 21:31 Uhr

Wo ist eigentlich Pofalla geblieben?

Die Sperrung auf der Rheintalstrecke kann für die Deutsche Bahn sehr teuer werden. Doch Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla (CDU) geht in Deckung. Hat er wohl von seiner Potentatin, Frau Merkel, gelernt - abwarten und aussitzen!

Wenn es darum geht, sich mit dem Geld des Steuerzahlers die Taschen zu füllen oder eigene Parteifreunde (Bosbach) zu denunzieren ist er mit der Klappe ganz weit vorn und drängelt sich vor, sobald er aber für sein im Vergleich zu seinen Fähigkeiten viel zu hohes Managergehalt auch mal Verantwortung übernehmen muss, ist er nicht mehr aufzufinden.

Ehemals in seiner Funktion als Kanzleramtsminister nur widerlicher Speichellecker und Schleimscheißer von Frau Merkels Gnaden, fiel er inbesondere auch deshalb auf, weil in puncto Stuttgart 21 immer Verlass auf ihn war.

Der CDU-Politiker war Grubes direkter Draht ins Kanzleramt. Wann immer den Bahn-Chef eine Sorge plagte, hatte der Kanzleramtsminister ein offenes Ohr und half.

Verlass war auf Pofalla zum Beispiel in jenen schicksalhaften Tagen im Februar 2013, als das Bahnhofsprojekt kurz vor dem Aus stand. Wenige Tage bevor der Aufsichtsrat über die Zukunft des umstrittenen Vorhabens entscheiden sollte, zitierte Pofalla die drei Staatssekretäre, die die Bundesregierung im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn vertreten, ins Kanzleramt. Man beriet sich. Man redete über die politischen Folgen eines Ausstiegs aus Stuttgart 21. Kurz darauf ging die Meldung über den Ticker: "Bahn darf Stuttgart 21 trotz Mehrkosten weiterbauen." (...)

http://www.zeit.de/2014/03/deutsche-bahn-machtspiele-pofalla/seite-2

Nur weiter so. Solche Helden braucht das Land!

Mindestens acht Wochen lang werden die Züge auf dem wichtigen europäischen Schienenkorridor zwischen Rotterdam und Genua nicht durchfahren können. Wie teuer die Sperrung auf der Rheintalstrecke für die Deutsche Bahn wird, ist noch nicht abzuschätzen. Da wird es nicht nur um die Reparatur am Tunnel Rastatt gehen, sondern auch um Aufwendungen für Ausweichstrecken. (...)

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ronald-pofalla-nach-rheintalstrecken-sperrung-in-deckung-15164928.html?GEPC=s2

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21.08.2017 23:32 Uhr

Unfähige Verkehrspolitiker zu Handlangern der Automobil-Lobbyisten degradiert

Den Güterverkehr größtenteils auf der Straße zu betreiben, ist weder ökologisch noch wirtschaftlich richtig. Aber genau DAS passiert in Deutschland. Man buttert zig Milliarden in Prestige-Schienenprojekte für den Personenfernverkehr, die aber in vielen Fällen völlig unwirtschaftlich oder sogar total unnötig bis hin zur äußerst negativen Kosten-Nutzen-Relation sind. Bestes Beispiel Stuttgart 21 - hier werden vorsätzlich Milliarden Steuergelder kriminell verschwendet.

Die untragbaren Folgen: Lkws und Pkws verstopfen die Autobahnen und durch die übermäßige Belastung müssen diese mit immer mehr Spuren versehen bzw. in immer kürzeren Zyklen saniert werden, was noch mehr Baustellen und noch mehr Staus bedeutet. Die Stauprognosen bzgl. Stuttgart sind da eindeutig, wie düster unsere Verkehrszukunft aussieht.

Und es wird noch schlimmer. Sogenannte Gigaliner, die die Straßen noch mehr malträtieren, sollen kommen - sinnstiftend ist dies, wie gesagt, ganz und gar nicht. Der Ausbau der Schiene für den Güterverkehr wäre die logische Folge, er wird aber seit Jahrzehnten total vernachlässigt oder gar bewusst verhindert. Wie kann das sein? Was läuft z.B. in der Schweiz anders?

Nun - die Schweizer haben keine fast alles dominierende Automobilindustrie, die ehemalige Politiker mit bestens dotierten Beraterverträgen und Vorstandsposten belohnt. Unsere unfähigen Politclowns aber scheinen einzig dafür zuständig zu sein, die Konkurrenz bzw. Alternative zum massiv Schadstoff erzeugenden Kraftfahrzeugverkehr gezielt kaputt zu machen. Also die Schiene zerstören, um die Nachfrage nach Pkws und Lkws "made in Germany" künstlich zu forcieren.

Die Folgen sind Verkehrskollapse und Umweltprobleme ... Das ist keineswegs fortschrittlich sowie umweltfreundlich und S21 ist absolut kein grünes Projekt, wie dieses oftmals verlogen apostrophiert wird. Ausschließlich fortschrittsfeindlicher Protektionismus, der auf Kosten der Bürger, Pendler und Steuerzahler ausgetragen wird, und unsere sog. Volksvertreter spielen munter ganz groß mit. Die Misere beim Ausbau der Rheintalschiene ist eine der Folgen. Wann fangen wir an, die legalisierte Korruption - lukrative Posten für ausrangierte Politiker, Parteispenden, nicht deklarierte Nebeneinkünfte etc. - endlich zu beenden?

https://www.swr.de/swraktuell/bw/karlsruhe/tunnel-debakel-und-streckensperrung-rastatt-fordert-lueckenlose-information/-/id=1572/did=20120642/nid=1572/172a2bq/index.html

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20.08.2017 16:48 Uhr

Der Schienen-Gau von Rastatt

Der Zugverkehr zwischen Rastatt und Baden-Baden steht auf unbefristete Zeit still. Die Bahn spricht von einem "technischen Defekt". Über eine Länge von etwa zehn Metern verbogen sich die Gleise bei Niederbühl und sackten circa 40 Zentimeter in die Tiefe. Experten sehen erschreckende Parallelen zu Stuttgart 21. (...)

In Stuttgart läuten derweil alle Alarmglocken. Jenö Egan-Krieger von der Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen (GES) mit Sitz in der Landeshauptstadt bezeichnet den Tunnelbau der Bahn als "hochgradig unverantwortlich". In Rastatt wolle die Bahn den vier Kilometer langen Tunnel nur wenige Meter unter vorhandenen Gleisanlagen bauen.

"Auch in Stuttgart haben wir Streckenabschnitte mit einer sehr geringen Überdeckung." Wie in Rastatt, erläutert er, wolle die Bahn auch den Stuttgarter Untergrund für Bauarbeiten stabilisieren, indem sie das Bodenwasser gefriert. Nach Darstellung des Unternehmens handle es sich dabei um ein "international bewährtes Verfahren". (...)

Hinzu kommt, dass es in Rastatt Risse, Erdbewegungen und Wassereintritt an der Tunnelbaustelle gegeben habe. Sollte Stuttgart das gleiche Schicksal erleiden, hätte das fatale Folgen für den Anhydrit im Untergrund. (...)

https://www.kontextwochenzeitung.de/schaubuehne/333/der-schienen-gau-4546.html

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18.08.2017 21:18 Uhr

Bei Herrenknecht knallen schon die Sektkorken

Denn als Ersatz für seine 30 Mio. Euro teure Tunnelbohrmaschine, die nun aufgegeben und einbetoniert wird, darf er alsbald einen neue bauen. Und dafür gibt's wohl wieder à la Air Berlin einen prall gefüllten schwarzen Geldkoffer von der CDU.

Der entstandene Schaden wird die Bahn ohnehin sehr teuer zu stehen kommen, denn wer da meint, nur fünf Meter unter den Gleisen durch losen Untergrund bohren zu müssen, braucht sich nicht zu wundern, wenn da etwas Schreckliches passiert. Resultat einer überaus schlampigen Planung, ohne die Risiken richtig abzuschätzen.

Heija das wird noch ein Spaß mit Stuttgart 21, wo man ähnich unbedarft versucht, mit noch weniger Überdeckung und einer noch nie erprobten Methode, sich durch den heimtückischen Gipskeuper zu schlagen und Häuser mit nur geringem Abstand zu unterfahren.

Dabei ist der längst überfällige viergleisige Ausbau der Rheintalbahn nicht einmal ein echtes Großprojekt, im Gegensatz zu Stuttgart 21 mit seinen leichtfertig verlochten Milliarden. Wobei die Bahn bei diesem Skandalprojekt eigentlich nur ausbaden muss, was ihr eine minderbemittelte damalige CDU-geführte Landesregierung aufgezwungen hat.

http://www.taz.de/!5134623/

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18.08.2017 21:05 Uhr

Neue Wortschöpfungen als Reminiszenz an ausgemusterte Koryphäen aus Politik und Wirtschaft

In die Duden-Neuauflage 2017 wurden zwei neue Begriffe aufgenommen. Erstens "Mehdornen", das heißt auf neudeutsch etwas total kaputtwirtschaften, und zweitens "Merkeln", was so viel bedeutet wie Aussitzen von Problemen bis zum Erbrechen bzw. die Realität bis zum Geht-nicht-mehr verkennen und unterschlagen.

https://www.youtube.com/watch?v=4tjFTzP7jdQ

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16.08.2017 08:53 Uhr

Antwort auf „..dass Spediteure Verkehr vorübergehend auf die Straße verlagern...”

Das Loblied auf die Straße und den Kraftfahrzeugverkehr dort ist völlig daneben. Das Problem ist nicht der Zentralismus der Bahn, sondern die mangelhafte Vorsorge durch eine zweite Streckenführung, von möglichen Baufehlern ganz abgesehen. Selbst im engen Mittelrheintal (Bingen) gibt es ein zweites, unabhängiges Gleispaar, nicht aber im breiten Oberrheingraben. Dass ein öffentlicher Verkehrsträger wie die Eisenbahn, der umweltverträglicher ist, als es der individuelle Kraftfahrzeugverkehr auf der Straße je werden kann, bezuschusst werden muss, ist systembedingt und diesem nicht vorzuwerfen.
Die Konsequenzen des Individualverkehrs trägt natürlich auch nicht alleine die Fahrzeug- und Treibstoffsteuer, sondern die werden nicht unerheblich auch zum Beispiel durch die Krankenkassenbeiträge mitfinanziert.

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15.08.2017 20:59 Uhr

..dass Spediteure Verkehr vorübergehend auf die Straße verlagern...

Wie schön, dass es die Straßen gibt, in der eine ausgefallene Straße leichter umfahren werden kann, als es beim zentralistisch koordinierten Bahnverkehr möglich ist.

Würde die Bahn ihre Trassen, Bahnhöfe und Rollmaterial ehrlich angerechnet bekommen, wäre sie morgen pleite. Aber keine Sorge, man erhöht einfach wieder die Benzinsteuer - zum Abtragen der Bahnschulden - wie einst unter Kohl.

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15.08.2017 20:02 Uhr

Gleissenkungen bei Rastatt - Verantwortliche der Bahn AG mal wieder total überfordert

Dazu ein Statement von Matthias Gastel, MdB und bahnpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

„Die Sperrung einer europäischen Schienen-Magistrale wirft kein gutes Licht auf das Baustellenmanagement der Deutschen Bahn. Probleme beim Neubau können vorkommen, aber es darf nicht passieren, dass keinerlei Ausweichstrecken zur Verfügung stehen. Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla muss hier dringend nachsteuern. Auch die Fahrgäste wurden über die Komplikationen und Ausweichmöglichkeiten nur unzureichend informiert. Von der DB Netz erwarte ich eine schnelle und lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Um die Aufklärung voranzubringen, habe ich mich mit einem Brief an Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla gewandt.

Der Erdrutsch im Rastatter Tunnel zeigt zudem, dass Tunnelbohrungen immer erhebliche Risiken bergen. Dies macht mich besonders unruhig, wenn ich an Stuttgart 21 denke. Bei S21 wird nach einem bislang unerprobten Tunnelbauprinzip eine viermal so lange Tunnelstrecke wie in Rastatt durch besonders instabiles Anhydrid-Gestein gebohrt. Nach dem Erdrutsch in Rastatt gehören die Tunnelbauweisen für S21 auf den Prüfstand.

Die Bundesregierung muss bei der DB endlich auf eine überzeugende Darstellung des Risikomanagements bestehen. Der Deutschen Bahn weiter blind zu vertrauen ist fahrlässig, denn nach dem Erdrutsch im Rastatter Tunnel werden die Beteuerungen der Deutschen Bahn, dass die Risiken bei S21 durch sorgfältiges Bauen und den Einsatz einer entsprechenden Technik beherrschbar sind, immer unglaubwürdiger.“

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/rheintalstrecke-sperrung-haelt-weiter-an-15152374.html

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15.08.2017 18:57 Uhr

Die Quint­es­senz vollkommen verfehlter Bahnpolitik

Wieder einmal offenbart sich bei diesem Desaster die ganze Fehlplanung im deutschen Eisenbahnnetz. Alles Geld fließt in dämliche Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 und glorifizierte Schnellfahrstrecken wie z.B. Wendlingen-Ulm, während wirklich simnvolle Bahnprojekte wie der Ausbau der Rheintalstrecke nur äußerst halbherzig angegangen werden und der Rest der Schieneninfrastruktur verkommt oder wie auf der Gäubahn, sich technisch noch im Zustand der Sechzigerjahre befindet sowie gar der Süd- oder Brenzbahn, die im Zeitalter von Industrie 4.0 noch nicht einmal elektrifiziert sind.

Dank sei solch begnadeten, jedoch vollkommen unbedarften Geistesgrößen und politischen Verkehrsstrategen von der Sorte Oettinger, Mappus oder Schuster (alle CDU) bzw. bundesweit den Politclowns Ramsauer und Dobrindt (CSU) sowie Tante Merkel persönlich. Nicht zu vergessen, bahntechnische Eintagsfliegen wie Mehdorn, Kefer oder Grube, die immer vor nahendem Ungemach rechtzeitig die Fliege bzw. den Absprung aus der Verantwortung gemacht haben.

Bezeichnenderweise gibt es auf der Rheintalbahn nicht einmal Ausweichmöglichkeiten, damit selbst ein simpler Güterzug von Deutschland in die Schweiz und nach Italien fahren kann. Man möge sich ausmalen, welches verheerendes Bahnverkehrschaos uns beim Nadelöhr Stuttgart 21 erwartet, sollte im irrsinnigen, 60 km langen Tunnellabyrinth unter der Landeshauptstadt eine Tunneldecke einbrechen oder im anhydritbelasteten Gestein Wasser sich Zutritt verschaffen.

http://www.netzwerk-bahnen.de/news/rastatt-delle-verursacht-zwoelf-millionen-euro-umsatzausfall-pro-woche.html

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