Nachtkritik: Ein dicker Fang

Der Fischer Peter Grimes zieht und zerrt an einem dicken Seil, als hätte er gerade seinen größten Fang gemacht.

JÜK |

Aber kein Schwarm Fische ist ihm ins Netz gegangen: Er schleppt Schuld mit sich. Der Einzelgänger hat das ganze Dorf gegen sich aufgebracht - einen feindseligen, aggressiven Chor. Stürme auf der See und in der Seele: Benjamin Brittens Oper "Peter Grimes" schildert das Schicksal eines unglücklichen Außenseiters. Diese lyrisch-packende Oper lässt sich als realistisches Drama inszenieren, aber Matthias Kaiser - das Stilisieren ist sein Stil - zeigt am Theater Ulm bekannt starke, metaphorische Bilder und Menschen mit Emotionen. Das ist ihm gelungen in der Schiffswrack-Szenerie Marianne Hollensteins. Was der Zuschauer aber wissen muss, das ist die Story, Kaiser erzählt sie nicht direkt. Die Musik fesselt, Daniel Montané gestaltet diese veristische Oper aus der Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Philharmonikern sehr ausdrucksvoll. Auch Ensemble und Chor sorgen für eine gelungene Aufführung. In der großen Titelpartie: Hans-Günther Dotzauer, für den Kammersänger ist der Peter Grimes eine tolle Charakterstudie. Reichlich Premierenbeifall gestern Abend im nicht voll besetzten Großen Haus.

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