ZWISCHENRUF: Aiuto. Hilfe. Es brennt.

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Wenn Kunst in Flammen aufgeht, läuft es einem kalt den Rücken runter. Das lässt an die Nationalsozialisten denken, die Bilder auf Scheiterhaufen verbrannten. Zerstörung zum Zeichen der Unterdrückung.

Wenn Kunst in Flammen aufgeht, mag das auch euphorisieren. Das lässt an Hippies, Happenings, Burning Man denken, an Niki de Saint Phalle, Bernhard Luginbühl und David Mach. Diese Künstler stecken ihre Skulpturen selbst in Brand. Schaffen Kunst nicht zum Zwecke der Vernichtung durchs Feuer, sondern der Verwandlung. Sei es als Zeichen der Vergänglichkeit allen Seins, mithin zur Feier der Freiheit, die sich daraus ableiten lässt. Sei es aus Protest, etwa gegen Atom-Tests.

Jetzt gehen in Italien Kunstwerke in Flammen auf. Zumindest die Adressaten - regionale, nationale und europäische Kulturpolitiker - lässt das seltsam unberührt. Der Direktor des privaten Contemporary Art Museums in Casoria bei Neapel erklärt der Kulturpolitik den Krieg, indem er nach und nach die rund 1000 Werke seiner Sammlung öffentlich den Flammen preisgibt.

Darf der das? Wieso verkauft er die Kunstwerke nicht und saniert so sein von der Schließung bedrohtes Haus? Ganz einfach: Weil das weniger Aufmerksamkeit erregen würde. Nicht jedes Bild geht schließlich für schlagzeilenträchtige Millionenbeträge weg. Trotzdem ist die hier praktizierte Erpressung der Entscheidungsträger kein probates Mittel, um Missstände anzuprangern.

Die Künstler scheinen die Aktion zu dulden, gutheißen können sie die Verbrennungen nicht. Ihre Werke haben sie dem Sammler - der im Übrigen selbst Künstler ist - ja zur Bewahrung anvertraut. Die Masche "helft ihr mir nicht, mach ich alles kaputt" klingt nicht nur infantil. Sie ist so inakzeptabel wie die Idee eines Berliner "Künstlers", der Hundewelpen strangulieren wollte, um genau diese Praktik anzuprangern. Hilfe.

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