Neuer Roman von Bestseller-Autor Sebastian Fitzek

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    Sebastian Fitzek: Das Paket. Droemer Verlag, 330 Seiten, 19.99 Euro. Foto: 
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Das Buch heißt nicht nur „Das Paket“, es sieht auch so aus und fühlt sich so an. Typisch Sebastian Fitzek: Denn dieser Autor lässt sich keine Gelegenheit entgehen, seine Leser mitzunehmen, sie mit allen Sinnen in seine Geschichten hineinzuziehen. Und es ist ihm schnurzegal, was andere Autoren machen, ob sie angesichts einer solchen Ranschmeiße die Nase hochziehen.

Mit dem traditionellen Literarturbetrieb hat Fitzek ohnehin nichts am Hut. Seine Lesungen gestaltet der ehemalige Hobby-Schlagzeuger und Radio-Mann schon auch mal wie ein Konzert samt Band. Dem Publikum gefällt’s. Nicht nur die Live-Präsentation. Es hat Sebastian Fitzek in den vergangenen Jahren zum erfolgreichsten Psychothriller-Autor deutscher Sprache gemacht. Das hat seinen Grund: Denn dieser Fitzek kann Spannung. Und die gibt es in „Das Paket“ nicht zu knapp.

Emma Stein ist ein psychisches Wrack. Schon in der Kindheit hatte sie Wahnvorstellungen, kompensierte die Beziehung zu ihrem emotionslosen Vater mit einem eingebildeten im Schrank lebenden Freund, der zu ihrem Ansprechpartner wurde. Und jetzt als erwachsene Frau ist die Psychiaterin bei einem medizinischen Kongress in ihrem Hotelzimmer vergewaltigt worden – offensichtlich von einem Serientäter, der seinen Opfern die Haare abrasiert. Nur: Seine übrigen Opfer hat der Täter getötet.

Emmas Problem: Der Mann hat keinerlei Spuren hinterlassen. Und ihre Glaubwürdigkeit ist ohnehin erschüttert, weil sie sich auf dem Kongress zuvor als Opfer einer psychiatrischen Zwangsbehandlung bezeichnet hatte, um einem arroganten Kollegen eins auszuwischen. Eine glatte Lüge. Emma traut sich nach der Vergewaltigung nicht mehr aus dem Haus, ist völlig aus dem Tritt. Einzig bei ihrem Mann, einem Kriminologen, fühlt sich Emma noch sicher. Nur ist der nicht ständig daheim, ebensowenig wie ihr geheimnisvoller Nachbar.

Und in diese chaotische Situation platzt nun auch noch der Postbote, der sie bittet, ein Paket für eben diesen Nachbarn anzunehmen. Während sie angstvoll auf dessen Erscheinen wartet, geschehen merkwürdige Dinge in ihrem extrem gesicherten Haus. Oder ist es nur Einbildung? So oder so – was sich dann abspielt, ist geeignet, jeden Menschen in den Wahnsinn zu treiben.

Wie sehr sich die Ereignisse letztlich zugespitzt haben, wird in Rückblenden erzählt. Emma versucht das Geschehen ihrem Freund und Anwalt Konrad zu erklären. Der väterliche Vertraute, der schon mit Emmas Vater befreundet gewesen war, scheint der einzige zu sein, der seiner Mandantin noch etwas glaubt.

Doch wer Fitzek kennt, der weiß, dass alles noch viel verzwickter ist. Natürlich lässt der Autor seine Geschichte noch einige Haken schlagen. Der Meister der Psychospielchen tobt sich regelrecht aus, verwischt gekonnt die Grenzen zwischen Wahn und Realität, sorgt bei seinen Lesern nicht nur für wohligen Nervenkitzel, sondern auch für die tiefe Verunsicherung, ob man angesichts solch erdrückender Beweise wohl an seiner eigenen Wahrnehmung zweifeln würde. Zudem handelt Fitzek auch noch die Probleme der Zwangsbehandlung psychisch Kranker sowie die seelischen Schäden von Vergewaltigungsopfern und dem Umgang mit ihnen ab.

Über weite Strecken tut das der Autor gewohnt souverän. Nur am Ende wirkt manches doch arg konstruiert. Doch nachdem Fitzek seine Leser zuvor so tief verunsichert hat, sind die wohl ganz froh, aus diesem alptraumhaften Szenario wieder aufzutauchen und relativ befriedigende und nachvollziehbare Auflösungen zu erhalten.

Wie gesagt: Die Spannung hält der Berliner Autor über die ganze Strecke. Inhaltlich wird das Buch wohl so diskutiert wie alle anderen Fitzeks auch: kontrovers. Aber das schadet dem Erfolg nicht. Fitzek hat in den vergangenen zehn Jahren eine Auflage von mehr als acht Millionen Exemplaren erreicht, seine Romane werden in 20 Sprachen übersetzt. Und vor wenigen Tagen bekam der Autor den diesjährigen „Ripper Award“ des Krimifestivals „Mord am Hellweg“. Fitzek nimmt den mit 11 111 Euro dotierten Europäischen Preis für Kriminalliteratur am 7. April in Unna entgegen.

Der Ripper-Award ist übrigens ein Publikumspreis der 28000 Besucher des Hellweg-Krimifestivals, das als größtes Festival seiner Art in Europa gilt. Zuvor bekamen ihn Henning Mankell, Håkan Nesser, Fred Vargas und Jussi Adler-Olsen. Nicht schlecht, aber in der ersten Liga spielte Sebastian Fitzek auch schon vorher.

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