Zum 90. Geburtstag des schwäbischen Künstlers und Priesters Sieger Köder

Sein künstlerisches Werk ist tief vom Glauben geprägt - Sieger Köder ist eben zugleich Geistlicher und Maler. Nun wird der Schwabe 90 Jahre alt.

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Feiert heute seinen 90. Geburtstag: Sieger Köder.  Foto: 

Ein Leben im Spagat: Dass der Künstler Sieger Köder als Malerpriester bezeichnet wird, charakterisiert ihn als Menschen, der ganz besonders für das spannungsreiche Verhältnis zwischen Kirche und Kunst steht. Denn Kernstück des Schaffens des katholischen Priesters, der heute 90 Jahre alt wird, war und ist die Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift. Für ihn stellen Kunst und Religion keine Gegensätze dar. Er will "mit Bildern predigen". Der im schwäbischen Wasseralfingen geborene Bauernsohn schuf für viele Kirchen großformatige Altarbilder.

Köder verwendet bekannte Motive, aber bürstet sie gegen den Strich: Er zeichnet den Apostel Paulus, der sich als "Narren um Christi willen" bezeichnete, als Clown. Und statt des Jesuskindes malt er eine aufgeschlagene Bibel in der Krippe. Nicht wenige Motive sind fester Bestandteil in Schulbüchern. Bei aller Bescheidenheit nennt er für sein künstlerisches Wirken große Vorbilder. Er orientiert sich an Picasso, Goya, Chagall oder El Greco.

Zunächst war er Kunsterzieher und Englischlehrer, mit 40 entschloss er sich zum Theologiestudium und empfing 1971 die Priesterweihe. Zu seinen Professoren gehörten so unterschiedliche Denker wie Hans Küng und der spätere Papst Benedikt XVI. "Professor Ratzinger hat mir ausreichende Dogmatikkenntnisse bescheinigt", erzählt er und zitiert einen Begriff des Lehrers, "das sich ständig perpetuierende Pfingsten". Nach der Wahl zum Kirchenoberhaupt schickte Köder dem alten Lehrer ein Bild zum Pfingstmotiv nach Rom.

Als bekannteste Werke Köders gelten die "Tübinger Bibel" von 1967 und das Bild "Das Mahl mit den Sündern", das seit 1973 in der Villa San Pastore der Jesuiten bei Rom zu sehen ist. 1996 machte ihn die Gestaltung des Misereor-Hungertuchs bekannt. Auf dem Hohenberg im Ostalbkreis schuf Köder rund um die Jakobuskirche Ausschmückungen zum Motiv des Pilgerns und des Jakobswegs.

Die Kirche verlieh dem humorvollen Geistlichen 1985 den Ehrentitel Monsignore. Bis zum Alter von 70 Jahren wirke er als Gemeindepfarrer. Heute wohnt Köder in einem Altenheim der Anna-Schwestern in Ellwangen. Genau dort wurde 2011 ein Museum mit 60 seiner Werke eröffnet. Hinter dem Museum steht die 2009 gegründete "Sieger-Köder-Stiftung Kunst und Bibel". Sie versteht die Schau als "Angebot, anhand der farbenfrohen Bildwerke die biblische Botschaft zu erschließen und sich davon inspirieren zu lassen". In Rosenberg gibt es zudem das Sieger Köder Zentrum.

Köder selbst nennt sich altmodisch. "Auf meinen Bildern kann man erkennen, was sie zeigen sollen. Das ist bei modernen Bildern oft schwierig." Für ihn ist Malen ein Mittel der Verkündigung. "Ich male nicht zur Selbstverwirklichung und nie für mich selber." Schon als Fünfjähriger zeichnete er daheim den Nazarenerkreuzweg aus der Pfarrkirche nach. Immer wieder. "Ich war enttäuscht von dem Ergebnis. Aber dieser Kreuzweg ist mir ein Leben lang nachgegangen." Und die Bibel blieb Quelle seines Wirkens. Köder vergleicht sich mit einem kleinen Propheten, "der halt nicht sprechen kann, sondern malen kann". Vielleicht sei das, was er mache, "ja eine moderne biblia pauperum, eine Armenbibel".

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