Yasar Kemal: Überzeugt von der Magie der Sprache

Der weltbekannte Türke Yasar Kemal war ein unbequemer Schriftsteller. Einer, der Schreibende als die "Verantwortlichen unserer Zeit" bezeichnete.

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Der türkische Autor Yasar Kemal auf einem Bild von Februar 2011.  Foto: 

Die Sprache wird die Menschheit retten - davon war der türkische Schriftsteller Yasar Kemal überzeugt. "Ich glaube tief an die Magie der Sprache", schrieb er im Unionsverlag. "Noch immer bin ich davon überzeugt, dass die Sprache neue Universen erschaffen, andere vernichten kann." Aus dieser Macht leitete Kemal die Verantwortung der Schriftsteller in der Gesellschaft ab. Eine Rolle, die er selbst sehr ernst nahm: Widerstand gegen empfundenes Unrecht und der Kampf für Freiheit und Menschenrechte ziehen sich als roter Faden durch das Werk des Schriftstellers. Nach längerer schwerer Krankheit starb er am Samstag in Istanbul im Alter von 91 Jahren an Organversagen.

Die Türken nennen Yasar Kemal "usta", den Meister. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu würdigte den gebürtigen Kurden als wertvollen Schriftsteller, der "unsterbliche Werke" für die Weltliteratur geschaffen habe. Mit seinem 1955 veröffentlichten Roman "Memed mein Falke" um den "schmächtigen Memed", der sich gegen die Herrschaft der Großgrundbesitzer auflehnt, wurde Kemal zum meistgelesenen Schriftsteller der Türkei und erlangte weltweiten Ruhm.

Kemal kam im südanatolischen Dorf Gökcedam (früher: Hemile) in der Provinz Osmaniye als Sohn eines früheren Großgrundbesitzers auf die Welt. Sein genaues Geburtsdatum ist unklar. Der Schriftsteller sagt, er sei wahrscheinlich 1923 geboren worden. Gewürdigt wurde er stets zum 6. Oktober - dem Tag, an dem ihn sein Vater bei den Behörden angemeldet haben soll. Als Kind verliert Kemal bei einem Unfall ein Auge. Mit viereinhalb Jahren musste er mit ansehen wie sein Adoptivbruder seinen Vater in einer Moschee erstach. Über jene Zeit schreibt er: "Von da an begann ich zu stottern. Nur wenn ich sang, kamen mir die Worte widerstandslos über die Lippen." Mit etwa elf Jahren lernte er als einziges Kind im Dorf Lesen und Schreiben und überwand seine Sprachstörung. Er arbeitete als Straßenschreiber, verfasste Briefe, Bittschriften und Dokumente. 1951 erschienen seine ersten Erzählungen in der linksnationalistischen Zeitung "Cumhuriyet" in Istanbul. Zwölf Jahre arbeitete er als Journalist - schrieb über Armut, Hunger, Dürre und Ausbeutung.

Dreimal wurde Kemal inhaftiert, unter anderem 1971 wegen seiner Arbeit für die marxistische Türkische Arbeiterpartei und 1996 wegen "Volksverhetzung", da er immer wieder die Kurden-Politik kritisierte. Da viele Schriftsteller seiner Generation in Haft saßen, bezeichnete Kemal das Gefängnis als "Schule der türkischen Gegenwartsliteratur". Weil er Mordanschläge von Rechtsradikalen fürchtete, lebte er zeitweise in Schweden.

In seinem letzten Roman "Vogel mit nur einem Flügel" (2013) beschäftigt sich der mit vielen internationalen Literaturpreisen wie 1997 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete und 1972 als erster Türke für den Literaturnobelpreis nominierte Schriftsteller mit der Angst, die die Gesellschaft vergiftet. So unterstützte er im Sommer 2013 auch die Gezi-Proteste - und forderte "ein demokratisches Regime".

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