Weihnachtsoratorium in der Pauluskirche: Glücklich gerettete Oratorien-Darbietung

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Ulmer Kantorei und Philharmonisches Kammerorchester Ulm unter der Leitung von Albrecht Haupt in der Pauluskirche.  Foto: 

„Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ – wohl jeder, der ein Herz für die stimmungsvollste Zeit der Christenheit hat, kennt diese Zeile und die dazugehörige Melodie. Sie markiert den Beginn von Bachs „Weihnachtsoratorium“, das man mit Fug und Recht als musikalisches Weltkultur-Erbe bezeichnen kann. Für viele Menschen auf dem ganzen Erdkreis ist die Advents- und Weihnachtszeit ohne diese frohlockenden Klänge nicht denkbar.

So gehört eine gehörige Portion Wagemut dazu, die berühmten Teile 1 bis 3 des Oratoriums, in denen die drei Weihnachtsfeiertage im Mittelpunkt stehen, am 1.­Adventssonntag nicht zu spielen, sondern stattdessen „nur“ die Kantaten 4 bis 6.

Die Ulmer Kantorei und das Philharmonische Kammerorchester Ulm unter der Leitung von Albrecht Haupt hatten diesen Mut – und der wurde in der nicht ganz vollbesetzten Pauluskirche schließlich auch belohnt. Allerdings stand der Abend zunächst unter keinem guten „Stern von Bethlehem“, ja sogar geradezu auf der Kippe.

Was  war geschehen? Der Bass Axel Humbert musste seinen Auftritt krankheitsbedingt ganz kurzfristig absagen. So war buchstäblich Not am Mann. Im Hintergrund wurde fieberhaft Ersatz gesucht – und in Person von J. Emanuel Pichler, Bass im Chor des Theaters Ulm, auch rasch gefunden. Pichler war so spontan eingesprungen, dass ihm keine Zeit fürs Umkleiden mehr blieb und er in Räuberzivil auf die Bühne kam – woran unter diesen Umständen niemand ernsthaft Anstoß nahm. Gott – und Pichler – sei Dank: Der Abend war gerettet. Mit einer nur viertelstündigen Verspätung konnte er feierlich beginnen.

„Fallt mit Danken, fallt mit Loben, / Vor des höchsten Gnadenthron!“, intonierten Chor und Orchester den Auftakt des Teils des Weihnachtsoratoriums. Der Schreck steckte den Musikern zwar in den ersten Takten noch hörbar in den Knochen, doch je mehr das musikalische Geschehen unter dem Kruzifix von Adolf Hölzel Gestalt annahm, desto sicherer und souveräner agierten die beiden Ulmer Ensembles.

Für die solistischen Glanzpunkte sorgten neben Pichler Katarzyna Jagiello (Sopran), Kinga Dobay (Alt), Benjamin Veil (Echo-Sopran), Conrad Schütze (Orgel) und herausragend Stefan Frieß (Tenor). Da Pichler zwar auf die Bass-Rezitative, nicht aber die einzige Bass-Arie des Oratoriums „Erleucht auch meine finstre Sinnen“ vorbereitet war, wurde diese instrumental gegeben. Der innige Zwiegesang von Oboe und Cello in dieser Arie begeisterte auch so. Herzlicher Applaus zum guten, tollen Schluss für diese glücklich gerettete Oratorien-Darbietung.

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