Walter Frei und Friends: Schalk im Theaterei-Zelt

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Walter Frei rezitiert Eugen Roth.  Foto: 

Es gibt so Abende, an denen einfach alles passt: ein toller Schauspieler, dem man die Ü80 nicht anmerkt, ein paar gute Musiker, die mit Volksmusik auftrumpfen, und ein Publikum, das sich über zwei Stunden bezaubern lässt. Im Blausteiner Theaterei-Zelt fand mit „Walter Frei und Friends“ ein solcher Abend statt, der sich trotz der seltsamen Sprachmischung im Titel just mit sprachlichen Spielereien vom Feinsten auseinandersetzte.

Walter Frei las Gedichte von Eugen Roth. Der Münchener Literat und Dichter hatte bis zu seinem Tod 1976 „Ein Mensch“-Verse geschrieben, in denen er Lebensweisheiten in humoriger Form und mit unbändiger Lust an Sprachspielereien an die Leute brachte, einem Wilhelm Busch nicht unähnlich.

Frei hatte eine wunderbare Auswahl getroffen und zu Themengruppen zusammengestellt. Es gab Gedichte über Begegnungen, Reisen, Konzertbesuche, Entrümpelungen, Liebe in verschiedensten Formen, Fahrraddiebstahl, das Leben an und für sich und das Ende.

Dass das alles nicht belehrend rüberkam, ist der Rezitationskunst von Frei zu verdanken. Mit hör- und sichtbarem Schalk im Nacken setzte er Pausen und Akzente, gab er mit seiner Stimme und seiner feinen Sprache den Zeilen immer wieder neue Melodien, kostete er die textlichen Finessen meisterlich aus und machte selbst aus kleinen Lesefehlern erfreuliche Ereignisse.

Zwischen den Textblöcken spielte das Ulmer Trio „Trias“ Klezmermusik aus Bulgarien, die ersten sechs Stücke aus einem sorbischen Monatszyklus, einen französischen Valse musette, eine Komposition von Astor Piazzolla, ein schwedisches Liebeslied, eine mazedonische Weise, etwas Irisches und weitere Stücke kammermusikalischer Weltmusik. Petr Hemmer auf der Geige, Markus Munzer-Dorn an der Gitarre und Tobias Wahren auf dem Akkordeon wirbelten hochvirtuos und mit ausgelassener Spielfreude durch die verschiedenen Stile und kontrastierten so die gelesen Texte aufs Trefflichste.

 Mit einem letzten Vierzeiler endete dieser wunderbare Sommerabend (das Programm wird am 23. Juli noch einmal wiederholt): „Ein Mensch erblickt das Licht der Welt – doch oft hat sich herausgestellt nach manchem trüb verbrachten Jahr, dass dies der einzige Lichtblick war.“

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