Wagner als Zugabe zum Passionsspiel

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Ein Genuss: Gabor Bretz als Holländer und Liene Kinca als Senta.  Foto: 

Irgendwann musste es ja so kommen: eine Wagneroper im Passionsspielhaus Oberammergau. Und Christian Stückl, Intendant am Münchener Volkstheater und seit 1987 leitender Regisseur im Passionstheater, beginnt klugerweise mit dem „Fliegenden Holländer“, der alles bietet, was das Publikum vor Ort gewohnt ist: Massenszenen, effektvolle Auftritte und eine Erlösung als Happy End. Dementsprechend aufgekratzt war das Premierenpublikum im rappelvollen Zuschauerraum. Man schwatzte munter, fotografierte und ließ das Handy klingeln, so dass es nicht weiter auffiel, dass Tontechnik und Übertitelung in alter deutscher Rechtschreibung noch Potenzial zur Verbesserung haben.

Die 70 jungen Spieler der  Neuen Philharmonie München ließen unter der Leitung von Ainars Rubikis die Ouvertüre mit einem solchen Schwung aus dem Orchestergraben ertönen, dass der Oberammergauer Abendwind wie ein laues Lüftchen wirkte. Geschickt öffnete sich ein rotierendes Wellenbild und gab den Holländer samt seiner Prunkgaleere frei. Sonst schien der 1. Akt wie gediegenes Stadttheater, wobei Stückl der Titelfigur die Möglichkeit raubte, den Auftrittsmonolog allein und verloren auf der riesigen Bühne zu singen.

Nach der Pause war alles anders. Der 90-köpfige Frauenchor gestaltete das Spinnlied als köstliche Singschule samt augenzwinkender Choreografie mit Chorleiterin Mary, die mit Macarena-Einlage und Merkel-Raute großes Gelächter hervorrief. Erik tobte wie ein Kinski-Psychopath um die liebliche Senta herum. Vater Daland und der Matrosenchor mit 80 Leuten ließen die Bühne erbeben, und der Steuermann ließ naiv alles über sich ergehen.

Es war ein Genuss zu erleben, wie agil Solisten und Chor die 50 Meter breite Bühne ausnutzten und dabei hervorragend sangen und spielten, allen voran der knackige Gábor Bretz als Paradebild eines Holländer und die großartige Liene Kinca als selbstbewusste und kluge Senta. Der Jubel war mehr als berechtigt – im neuen Wagner-Mekka?!

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