Viele Facetten amerikanischer Musik

Ives, Antheil, Feldman, Adams, Bernstein & Co.: Das Musikfest Berlin war in diesem Jahr durch die Werke amerikanischer Komponisten akzentuiert.

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Relativ spät hat Amerika zu seiner musikalischen Identität gefunden. Im 20. Jahrhundert aber entwickelte sich ein facettenreiches kreatives Geschehen. Gründe genug für Winrich Hopp, künstlerischer Leiter des Musikfests Berlin, diesen Jahrgang der US-Komponistenszene zu widmen. Wobei Hopp in seiner Konzeption die Wechselbeziehungen zwischen Alter und Neuer Welt verdeutlichen und zudem die Wege nachzeichnen wollte, auf denen sich die Amerikaner bei ihrer Selbstfindung von der europäischen Tradition lösten. Das Musikfest beleuchtete aber auch in den Staaten entstandene Werke europäischer Exil-Komponisten - Rachmaninoff, Strawinsky, Schönberg, Eisler. Stilistisch vielfältig war die Palette der 80 Werke von 30 Komponisten, für die renommierte Klangkörper, Dirigenten und Solisten aus nah und fern eine Lanze brachen.

Ehrensache, dass Charles Ives, dem Vater amerikanischer Kunstmusik, das Eröffnungskonzert mit dem Mahler Chamber Orchestra und Kent Nagano gewidmet war: mit einer fesselnden zweiten Sinfonie. Die fulminante Vierte, Ives gewichtigstes Opus für großes Orchester mit verstärktem Schlagwerk und gemischtem Chor, hatte sich Ingo Metzmacher für seine Abende bei den Berliner Philharmonikern ausgesucht. Faszinierend, wie er die Dramaturgie der Tonschöpfung auslotete. Von leichterem Gewicht waren die anderen Kompositionen des Konzerts: George Gershwins "Cuben Ouverture", die Jazz-Sinfonie George Antheils und die Sinfonischen Tänze aus Leonard Bernsteins "West Side Story" - denen verliehen die von Metzmacher beflügelten Philharmoniker den Charakter eines musikalischen Feuerwerks.

Morton Feldmans Opus "Violin und Orchestra" mit Schuberts h-Moll-Sinfonie zu konfrontieren - welche kühnes Vorhaben des Konzerthausorchesters Berlin. Jedoch der introvertierte Gestus der "Unvollendeten" lässt so manche Gemeinsamkeit mit Feldmans subtiler, am Rande des Verstummes angesiedelter Tonsprache entdecken. Isabelle Faust und das von Emilio Pomarico geführte Orchester versenkten sich mit sensibler Intensität in die feingliedrige Klangsprache.

Den Blick in eine andere Welt vermittelte das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit Hans Werner Henzes hochkomplexer Sechsten von 1969. Dieses Bekenntnis zur kubanischen Revolution war im amerikanische akzentuierten Festprogramm wahrlich geeignet, "wider den Stachel zu löcken". Faszinierend vermochte Marek Janowski mit dem RSB das vielschichtige Zeitdokument mit seinem aufrüttelnden Charakter zum Klingen zu bringen.

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