Verantwortlich für das Universum

Einer der populärsten amerikanischen Nachkriegsdramatiker, ein großer Moralist: Arthur Miller wäre 100 Jahre alt geworden.

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Engagierter Schriftsteller: Arthur Miller.  Foto: 

"Wenn unser Theater es nicht fertig bringt, zur richtigen Erkenntnis der Vorgänge in der Welt um uns vorzustoßen, wird es zum billigen Psychologismus herabsinken." Mit solchen Bekenntnissen erteilte der Dramatiker Arthur Miller dem wissenschaftlich ambitionierten Bühnenspektakel eine Absage. Er bevorzugte in seinen Stücken die "normalen Dinge" des Alltags und Anleihen bei seiner eigenen Biografie - geschult an Dostojewski und Ibsen.

Arthur Miller, der am 17. Oktober 1915 in Manhattan als Sohn eines österreichischen Einwanderers geboren wurde, ging in den späten 1930er Jahren beim emigrierten Erwin Piscator in die "Lehre" und erlebte mit ersten Stücken herbe Reinfälle.

Der internationale Durchbruch gelang ihm mit "Tod eines Handlungsreisenden" (1949), das in kleinbürgerlichen Verhältnissen spielt und dessen Protagonist Willy Loman (unter anderem von Dustin Hoffman und Heinz Rühmann verkörpert) zu einer der bekanntesten neueren Bühnenfiguren avancierte.

Doch der Erfolgsdramatiker, der mit dem Pulitzer-Preis und 1984 mit dem John F. Kennedy Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, musste auch schwere Zeiten durchstehen - etwa nach der Uraufführung von "Hexenjagd" (1953). Darin thematisierte Miller die Kommunisten"jagd" des Senators McCarthy. Der Autor hatte sich 1957 vor dem Kongressausschuss für "unamerikanische Umtriebe" zu verantworten, wurde zu 500 Dollar Buße und einem Monat Gefängnis verurteilt.

Dies ist mehr als nur eine Marginalie aus Millers bewegter Vita, die Stoff für ein opulentes Werk bieten würde. Seine vierjährige Ehe mit Marilyn Monroe hat der Dramatiker in "Nach dem Sündenfall" (1964) auf die Bühne gebracht. Darin trennt sich Quentin von Maggie, weil er deren Alkohol- und Medikamentenexzesse nicht mehr erträgt.

Später machte Miller als engagierter Präsident des Internationalen PEN von sich reden, indem er für politisch verfolgte Autoren in Osteuropa das Wort ergriff. 2001 hatte sich Miller anlässlich eines Berlin-Besuchs auch in die Debatte um das Holocaust-Denkmal eingeschaltet: "Wenn man nur einen Stein aufstellt, um der Toten zu gedenken, dann ist es ein Friedhof. Und ich weiß nicht, was man von Friedhöfen lernen kann".

Nach wenig erfolgreichen Stücken erregte 1987 seine Autobiografie "Zeitkurven" wieder Aufsehen. Seine neueren Stücke, so "Der letzte Yankee" oder "Mr. Peters' Connections", fanden kaum Beachtung, wurden gar dem "Boulevard" zugeordnet. Der Zeitgeist hatte gegen den engagierten Moralisten Arthur Miller gearbeitet. Charakteristisch ein Ausspruch von Chris aus "All meine Söhne": "Da draußen ist ein Universum, und dem seid ihr verantwortlich." Wiederkehrendes Motiv in seinem Werk ist der schleichende Verfall der amerikanischen Gesellschaft. Pünktlich zum 100. Geburtstag hat der S. Fischer Verlag nun den Band "Presence" vorgelegt, in dem sämtliche Erzählungen versammelt sind. Arthur Miller - einer der populärsten Nachkriegsdramatiker - starb am 10. Februar 2005 nach langem Krebsleiden im Alter von 89 Jahren in Connecticut.

Info Arthur Miller: Presence. (S. Fischer, 414 S., 22.99 Euro). Auf 3sat läuft am Samstag, 22.25 Uhr, "Arthur Miller - Ein ehrgeiziges Herz", zuvor um 20.15 Uhr "Tod eines Handlungsreisenden".

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