Vater der Superhelden

Comicautor Stan Lee machte die US-Comics erwachsener. Seine Helden von den Fantastic Four bis zu Spider-Man sind keine makellosen Übermenschen - und wurden gerade darum zum Kult.

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  • Ziemlich cooler Typ: Stan Lee, der zahlreiche der bekanntesten Comic-Figuren erfunden hat. Auch im Kino feierten und feiern die Helden aus dem Marvel-Universum Erfolge, zum Beispiel (rechts von oben) Spider-Man, der Hulk und die Avengers. Foto: afp, Archiv, Concorde Film 1/2
    Ziemlich cooler Typ: Stan Lee, der zahlreiche der bekanntesten Comic-Figuren erfunden hat. Auch im Kino feierten und feiern die Helden aus dem Marvel-Universum Erfolge, zum Beispiel (rechts von oben) Spider-Man, der Hulk und die Avengers. Foto: afp, Archiv, Concorde Film
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Stan Lees Figuren sind Ikonen der Popkultur: Spider-Man vor allem, aber auch Thor, Hulk, Iron Man. Spätestens seit den erfolgreichen Verfilmungen sind die kostümierten Helden mit den besonderen Kräften weltweit populär. Die nächste Welle der Filme soll im Frühjahr 2013 mit "Iron Man 3" starten und 2015 in den zweiten "Avengers"-Film münden - mit vielen Superhelden, die vor einem halben Jahrhundert Stan Lees Fantasie entsprungen sind.

Am 28. Dezember wird Lee 90 Jahre alt, geboren wurde er 1922 als Stanley Martin Lieber in New York als Sohn rumänisch-jüdischer Eltern. Er revolutionierte das amerikanische Comicgeschäft und leitete das sogenannte "Marvel-Zeitalter der Comics" ein, benannt nach seinem Verlag. Grundlage dafür war ein menschlicherer Ansatz der Figuren: Bis Anfang der 60er Jahre waren Superhelden meist makellose Übermenschen und moralische Vorbilder. Bereits mit seiner ersten Erfolgsserie, den "Fantastic Four", entwickelt 1961 mit dem Zeichner Jack Kirby, brach Stan Lee mit diesem Konzept. Die Figuren haben mit ihren Superkräften oft mehr zu kämpfen als mit ihren Gegnern, haben Selbstzweifel und ein problematisches Privatleben. Diese menschliche Seite macht es den Lesern - meist männlichen Jugendlichen - leichter, sich mit den Helden zu identifizieren.

Zumindest, wenn man Lees Helden mit Superman oder Batman des Konkurrenzverlags DC vergleicht. "Lee hatte seinen Durchbruch mit zweidimensionalen Figuren", urteilt der Comicautor Alan Moore ("Watchmen"). "Sie kostümieren sich auch und tun Gutes, aber sie haben ein schlechtes Herz - oder ein krankes Bein." So ist beispielsweise Lees grüner Hulk kein kontrollierter Held: Er ist ein Wissenschaftler, der in Stresssituationen von seinem animalischen Ich übermannt wird und sich gegen seinen Willen in einen grünen Unhold verwandelt.

Stan Lees berühmteste Schöpfung Spider-Man, entstanden 1962 gemeinsam mit Zeichner Steve Ditko, ist im Privatleben der schüchterne Teenager Peter Parker. Als Waise hat er mit der Sorge um seine kranke Tante May, Liebeskummer und Schwierigkeiten in seinem Job als Fotoreporter zu kämpfen. In den von Lee geschriebenen Heften schien es für Peter Parker oft eine viel größere Herausforderung, sein Privatleben auf die Reihe zu bekommen, als im Spinnenkostüm Superschurken wie Dr. Octopus oder den Grünen Kobold zu besiegen.

Unter der Maske von Daredevil verbirgt sich ein blinder Anwalt, und Iron Man wurde sogar zum Alkoholiker. Auch die X-Men, ein Team von Mutanten, bestehen aus gesellschaftlichen Außenseitern, die mit Vorurteilen und Ausgrenzung kämpfen. Zu Lees bekanntesten Schöpfungen zählen außerdem der Silver Surfer und Thor, der der nordischen Mythologie entlehnt ist.

Lee selbst wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Als Schüler besserte er sein Taschengeld unter anderem mit dem Verfassen von Nachrufen für eine Nachrichtenagentur auf. Mit 17 Jahren fing er als Mädchen für alles im Comicverlag Timely an, dem Vorgänger des späteren Verlags Marvel Comics. Er machte Botengänge oder füllte die Tintenfässer der Zeichner auf.

Doch schon ein gutes Jahr später, im August 1941, schrieb er seine erste Comic-Geschichte für ein "Captain America"-Heft, unter dem Pseudonym Stan Lee. Dann ging alles ganz schnell: Als der Chefredakteur der Comicabteilung wenig später den Verlag verließ, übernahm er dessen Aufgaben - ursprünglich nur als Vertretung. Er behielt den Posten jedoch mehr als 30 Jahre lang und stieg danach zum Herausgeber des Verlags auf.

Seit den 1980er Jahren betreut Lee als Produzent auch die zahlreichen Auftritte seiner Figuren in Film und Fernsehen. Seit 2000 taucht er regelmäßig in Kleinstrollen in den Marvel-Kassenerfolgen auf, als Wachmann, Fußgänger oder Hot-Dog-Verkäufer.

Bereits 1998 stieg er mit der Gründung von Stan Lee Media ins aufkommende Internet-Geschäft ein. Das Produktionsstudio für Webcomics musste jedoch 2001 Konkurs anmelden, nachdem zwei Spitzenmanager wegen Aktienbetrugs angeklagt worden waren.

Nebenbei hörte Lee nie auf, an neuen Comics zu arbeiten - gerne auch mit ungewöhnlichen Partnern: 1988 schrieb er eine Silver-Surfer-Geschichte für den französischen Avantgarde-Zeichner Moebius. Und 2008, da war Lee schon 85, begann seine Zusammenarbeit mit dem japanischen Zeichner Hiroyuki Takei an der Manga-Serie "Ultimo". Für neue Helden ist es in Lees Universum nie zu spät.

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