Umjubelt: Kinoreifer "Parsifal"

Mit dem "Parsifal" endete die Bayreuther Premierenwoche. Einhelliger Jubel für Regisseur Stefan Herheim und das Debüt des Dirigenten Philippe Jordan.

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Nicht heldenhaft: Burkhard Fritz (Parsifal) und Detlef Roth (Amfortas).

Bayreuth - Es war die Woche der Dirigenten auf dem Festspielhügel. Christian Thielemann, klar, bleibt der Generalmusikdirektor der Wagnerianer, Andris Nelsons bekam für den "Lohengrin" viel Lob, und schließlich gelang dem jungen Schweizer Philippe Jordan mit dem "Parsifal" ein umjubeltes Bayreuth-Debüt. Diesen Namen werden sich auch die regierenden Wagner-Schwestern merken.

So locker, so organisch, so transparent und dabei perfekt in der Intonation und der Klangbalance spielt auch das Bayreuther Festspielorchester nicht alle Tage. Mit großer Ruhe und Sinn für die weiche Akustik modellierte der 37-jährige Jordan den "Parsifal". Der einzige Einwand: Das war fast zu schön für Stefan Herheims Entzauberung des Bühnenweihfestspiels.

Herheims "Parsifal" aus dem Jahre 2008 ist mittlerweile das unumstrittene Paradestück auf dem Bayreuther Spielplan: Diese Inszenierung erzählt nicht einfach den Gralsmythos, sondern die unselige neuere deutsche Geschichte, auch jene der Bayreuther Festspiele und sowieso den Untergang in einer wahren Bilderflut. Ideologie, Heldentum, Sehnsucht nach Erlösung? Herheim entzaubert, aber mit einem faszinierenden Griff in die Theaterwunderkiste. Am Ende richtet sich, nach allen politischen Wirren, in der wundervollen Welttröstungsmusik der Blick nur noch auf den Menschen. Das ist dann allerdings auch wieder pathetisch.

Eine kinoreife Inszenierung, einhellig umjubelt. Schade also, dass Herheims "Parsifal" nach dieser Saison abgesetzt wird (2016 macht sich dann der Künstler Jonathan Meese neu ans Werk). Aber tatsächlich ins Kino, und zwar live, kommt dieser "Parsifal" der Bayreuther Festspiele am 11. August; und TV-Sender Arte sendet zeitversetzt. Vielleicht laufen dann auch die Sänger in einer besseren Form auf. Neben dem starken Kwanchul Youn als Gurnemanz und dem sehr präsenten Detlev Roth als Amfortas enttäuschten Burkhard Fritz mit zu enger, kleiner Heldentenorstimme als Parsifal und die eher schrill die Kundry singende Susan Maclean.

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