Tschechows Übersetzer Peter Urban ist tot

|
Seine Neu-Übersetzung von Tschechows Erzählungen konnte Peter Urban nicht vollenden. Foto: dpa

Wer den Übersetzer Peter Urban in der hessischen Region Vogelsberg besuchte, der sah in seinem alten Bauernhaus Bücherwände mit russischer Literatur: Puschkin, Turgenjew, Gogol, Tschechow, Bunin. Ihre Werke hat Urban dem deutschen Leser zugänglich gemacht. In seinem Haus in Weidmoos ist der Schriftsteller am Montag mit 72 Jahren gestorben, wie der Diogenes-Verlag mitteilte.

Urban galt als einer der bedeutendsten Übersetzer russischer, serbokroatischer und tschechischer Literatur. Seine große Liebe war Anton Tschechow: "Ich halte ihn für den größten Menschendarsteller nach Shakespeare", sagte Urban der dpa. Für die Literatur bedeuten Tschechows gebrochene Helden den Durchbruch zur Moderne. Urban übersetzte seine Dramen, Briefe und Erzählungen in schlanker und textgetreuer Sprache.

1941 in Berlin geboren, kam Urban 1964/65 in Belgrad zum Übersetzen. Es folgten Jahre als Lektor für slawische Literatur, Hörspielredakteur und Geschäftsführer des Verlags der Autoren. Ab 1989 lebte er als freier Übersetzer und Schriftsteller. Urban, lang, hager, Kettenraucher, schrieb meist nachts. "Ich brauche Stille, um die Sätze zu hören." Er machte sich zu eigen, was Puschkin von jedem Schreibenden verlangt: "Genauigkeit und Kürze".

In zwei Verlagen war Urban zu Hause: In Berlin bei der Friedenauer Presse und bei Diogenes. Urbans letztes großes Werk, eine Neuübersetzung aller Erzählungen Tschechows, wird leider unvollendet bleiben.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Auf der Ulmer Bahnhofstraße prallen Welten aufeinander

Bei Regen und Kälte ist nur wenig zu sehen von den unhaltbaren Zuständen, die einige Geschäftsleute auf der Bahnhofstraße beklagen. Doch es gibt sie, auch wenn es derzeit eher entspannt zugeht. weiter lesen