Traumhaft: Das pure Vergnügen

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  • Heinrich Steinfest:  Das Leben und Sterben der Flugzeuge. Piper Verlag, 608 Seiten, 25 Euro. 1/2
    Heinrich Steinfest: Das Leben und Sterben der Flugzeuge. Piper Verlag, 608 Seiten, 25 Euro. Foto: 
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    Heinrich Steinfest: Das Leben und Sterben der Flugzeuge.  Piper Verlag, 608 Seiten, 25 Euro. Foto: 
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Stellen Sie sich, liebe Leser, bitte einmal Folgendes vor: Sie träumen Nacht für Nacht sehr intensiv, und im Mittelpunkt dieser Träume stehen entweder Sie selbst (möglicherweise leicht verändert), ein anderer Mensch oder eine gänzlich andere Kreatur, beispielsweise ein Tier. Und stellen Sie sich weiterhin vor, dass diese andere Person oder dieses Tier in seiner oder ihrer Welt selbst in der Lage ist zu träumen und wiederum von Ihnen träumt. Sie haben somit einen Traumpartner.

Wenn Sie sich das vorstellen können und wollen, dann haben Sie quasi die Werkseinstellungen für Heinrich Steinfests neuen Roman, „Das Leben und Sterben der Flugzeuge“. In dem es um den Münchner Kommissar Blind geht, der im Fall eines Erfinders und Industriellen ermittelt, welcher vor zwei Jahren starb. Auf gänzlich freier Strecke fuhr er, neben sich eine junge attraktive Frau, an den einzigen Baum weit und breit. Die Witwe glaubt bis heute nicht an einen Unfall.

Schnell findet Blind mittels Informationen, die er von höchst eigenwilligen und in einer Art Grauzone tätigen Personen erhält, heraus, dass die schöne Beifahrerin einen nach Belfast führenden Hinweis hatte. Doch bevor er eine Reise dorthin antreten kann, muss er erst einmal schlafen. Und träumen. Und dieser Mittfünfziger, der das Spenderherz eines 20-jährigen österreichischen Skiläufers in seiner Brust trägt, träumt Nacht für Nacht von Quimp. Der wiederum ein junger Pariser Bahnhofsspatz ist. Quimp steht ebenfalls eine Reise bevor, da er auf fast schon lebensbedrohliche Weise den Auftrag erhalten hat, einen sagenumwobenen uralten Sperling aufzusuchen, der in Wien lebt.

Spatzen als Elitekrieger

Jetzt nimmt der Roman mächtig Fahrt auf. Quimp und sein betagter Artgenosse müssen weiter nach Belfast, wer hätte das gedacht. Dort nämlich leben die sogenannten Sperks, eine Spatzenelitekriegertruppe. Die Sperks tragen eine Rüstung aus einem Material, das mit nichts vergleichbar ist, weswegen sie von den Totalisten gejagt werden. Und nicht nur von denen. Quimps Auftrag ist es, die Sperks zu warnen. Eine spannende und aberwitzige Jagd durch zwei Welten und an vielen pittoresken Orten nimmt ihren Lauf.

Autor Heinrich Steinfest, der, wie man so sagt, mit allen Wassern gewaschen ist, hat seine Leserschaft immer wieder verblüfft, sie mit seinen über Genregrenzen springenden Krimis polarisiert, Literaturkritiker verführt, in die Niederungen der scheinbar simplen Unterhaltungsliteratur zu steigen, um ungeahnte Schätze zu heben. Mit „Das Leben und Sterben der Flugzeuge“ hat er eine neue Dimension geschaffen, einen opulenten, nicht nacherzählbaren Roman von solcher Vielfalt und solchem Ideenreichtum, dass man einfach nur staunen kann.

„Das Leben und Sterben der Flugzeuge“ ist ein enorm ambitioniertes Buch, voller kultureller Anspielungen und Zitate, kluger Beobachtungen zu Kunst, Design und Architektur und sprachlich fein gearbeitet. Ein großes und herausforderndes Lesevergnügen.

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