Tiefgreifendes Klangerlebnis der Ulmer Kantorei

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Der „Messias“ vor Weihnachten, das ist sozusagen das rechte Stück zur rechten Zeit. Ein  tiefgreifendes Klangerlebnis, religiös-besinnliche Erbauung – auch wegen des „Hallelujah“, des barocken Welthits aus Händels berühmtestem Oratorium. Bei aller Monumentalität hatte die Aufführung in der Pauluskirche aber jetzt etwas Inniges, das mit deutschem Text den etwa 500 Zuhörern in der vollbesetzten Kirche unter die Haut ging.

Dirigent Albrecht Haupt verschmolz bravourös seine stimmprächtige Ulmer Kantorei, die musizierfreudigen Profi-Ensembles der Camerata Ulm unter Konzertmeisterin Stella Bunea und das Süddeutsche Bläserensemble, Angelika Hirsch am Orgelpositiv sowie das junge erlesene Gesangssolisten-Quartett zu einem imposanten Klangapparat. Transparenz, tonmalerische Effekte, emotionale Dichte und Spitzenleistungen prägten nach anfänglichen Balance-Schwankungen in der einleitenden Streicher-Sinfonia das  zweieinhalbstündige Meisterwerk.

Im Schaffensrausch

Halb gelähmt seit seinem Schlaganfall 1737, finanziell angeschlagen nach einem Opern-Flop, schrieb Händel in einem nur rund dreiwöchigem Schaffensrausch seinen „Messiah“ für das englische Königshaus. Die Uraufführung 1742 war triumphal. Wie der Schriftsteller Stefan Zweig schrieb: Händels Auferstehung zu Lebzeiten.

Bibelworte berichten im ersten Teil mit „Wunderbar“-Chor-Jubel,  der idyllischen Pastoral-„Pifa“, einem Bravourstück des Orchesters, und der berührenden Arie der beiden Solistinnen „Er weidet seine Herde“ von der Geburt des Messias. Der zweite Teil gleicht einem Trauergemälde von Leiden, Tod und Auferstehung des Heilands. Der letzte Teil von der Erlösung der Welt durch den Auferstandenen leitet nach dem grandiosen Schlusschor „Würdig ist das Lamm“ zur mächtigen „Amen“-Fuge über.

Engelsgleicher Sopran

Zwischen festlichen Chören, Streicher-Schmelz, Pauken-Donner und Bläserglanz – Marc Lentz auf der Piccolo-Trompete in der Bass-Arie „Sie schallt, die Posaun“ –  gerieten ausdrucksstarke Arien und Rezitative von Denise Seyhan (Alt), Alexander Efanov (Tenor) und Daniel Blumenschein (Bass) in koloratursicherer Oratorienkunst zu Glanzlichtern. Sie vermochten wie Catherina Wittings engelsgleicher Sopran die Herzen zu bewegen.

Tosender Beifall dankte allen Ausführenden für eine Interpretation, die kaum Wünsche offenließ – allenfalls die Wiederholung des „Hallelujah“ als Zugabe.

Christa Kanand

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