Tag des offenen Denkmals: Jenseits des Guten und Schönen

NS- und Nachkriegsbauten stehen morgen im Mittelpunkt des Denkmaltages: Unschöne Objekte, mit denen sich ungute Erinnerungen verbinden.

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Zu den "unbequemen Denkmalen" gehört auch die NS-Ordensburg Vogelsang bei Gemünd in der Eifel. Foto: epd

In diesem Jahr stehen historische Bauten im Mittelpunkt des "Tags des offenen Denkmals", die dem landläufig "Schönen" widersprechen und Unbehagen auslösen können. Zu den Objekten, die es Architekturfans und Geschichtsliebhabern nicht leichtmachen, zählen Bunker-, Festungs- und Verteidigungsanlagen, Konzentrations- und Arbeitslager, NS- und DDR-Verwaltungs- und Versammlungsbauten sowie vieles aus der Nachkriegsarchitektur. Unter dem Motto "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" wird der Denkmaltag morgen in Saarbrücken offiziell eröffnet.

Seit 20 Jahren bietet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz am zweiten Sonntag im September "Geschichte zum Anfassen". Die Stiftung organisiert den Denkmaltag, der zu den bundesweit größten Kulturveranstaltung zählt. In diesem Jahr sind neben besonderen Privathäusern und Gartenanlagen auch Objekte geöffnet, die normalerweise im Schatten stehen, weil ihre Geschichte an Unterdrückung und Leid erinnert.

Dass die Nationalsozialisten vor 80 Jahren an die Macht kamen, habe den Anlass für das diesjährige Motto gegeben, sagt Wolfgang Illert, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn. Das Thema "Unbequeme Denkmale" solle zum Nachdenken über eine zentrale Frage der Denkmalpflege anregen: Welche Gebäude sind erhaltenswürdig und warum?

Während Burgen und Festungen mit ihren Kerkern, Verliesen und Munitionsdepots als erhaltenswert gelten, bleiben Denkmäler wie NS- und DDR-Bauten oder Nachkriegsarchitektur bis heute umstritten. Über ihren Erinnerungswert für künftige Generationen wird besonders dann debattiert, wenn die Erhaltung viel Geld kostet.

Es geht dabei auch um schmerzhafte Geschichtsorte, die an Tatsachen erinnern, die sich besser nie ereignet hätten, "Teile eines Erbes, das niemand haben will und das doch nicht ausgeschlagen und nicht beschönigt werden darf", wie der Münchner Kunstgeschichtsprofessor Norbert Huse (1941-2013) sagte. Er prägte den Begriff der "unbequemen Baudenkmale".

Die NS-Ordensburg Vogelsang gehört zu dieser Art von Zeitzeugen. Bei Gemünd in der Eifel war die Anlage zwischen 1936 und 1939 Schulungsstätte für den Nachwuchs der NSDAP-Führung. Nach den Parteitagsbauten in Nürnberg gilt die nur zum Teil unter Denkmalschutz stehende sogenannte Ordensburg mit fast 100 Hektar bebauter Fläche als die größte bauliche Hinterlassenschaft des Nationalsozialismus in Deutschland.

Zu den beispielgebenden Ausstellungsorten gehört auch das Lager Sandbostel im niedersächsischen Moor. Das Lager, das mehr als 300 000 Kriegsgefangene, Zivil- und Militärinternierte aus 55 Nationen aufnahm und in dem 5162 Kriegsgefangene und etwa 3000 KZ-Häftlinge starben, ist nach Auffassung der Denkmalschutzstiftung als Erinnerungsort von hoher Bedeutung.

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