Stuttgarter Ballett trennt sich von seinem Hauschoreografen Volpi

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Zieht es ihn noch mehr zur Oper? Demis Volpi.  Foto: 

Der Kulturbetrieb ist manchmal so grausam wie das Tierleben. Hier wie dort wird der Nachwuchs erst genährt und gewärmt, um dann umso entschiedener aus dem Bau oder dem Nest gestoßen zu werden, wenn’s an der Zeit ist. Jetzt hat es Demis Volpi erwischt. Der Jungstar am Stuttgarter Ballett wurde  von Intendant Reid Anderson  einst im Überschwang des „Krabat“-Krachers noch im Premierenjubel  zum Hauschoreografen gekürt. Jetzt, vier Jahre später, befördert Anderson den Hoffnungsträger wieder vor die Tür. Volpi wird in der kommenden Spielzeit, Andersons letzter, nicht mehr dem Stuttgarter Ballett angehören.   

Er habe das im vergangenen Juli nach Volpis „Salome“ entschieden und nur aus Rücksicht auf dessen jüngste  Opernarbeit „Der Tod in Venedig“  nicht vorher bekannt gegeben, teilte Anderson gestern mit. Sein Grund für die Trennung  ist, gerade wegen jener eher tanz-abstinenten „Salome“, zumindest plausibel: Volpi sei „ein großartiger Theatermacher und feinfühliger Geschichtenerzähler“, so Anderson. „Hier, eher als in der Choreografie, sehe ich seine wahre Begabung.“ Und: „Der Erfolg dieser Oper bestätigt mich in meiner Entscheidung.“

Ein toxisches Lob, zumindest  für einen Choreografen. Und nachdem Volpis Pendant Marco Goecke, ebenfalls noch fest am Haus, vor kurzem ein Gespräch mit Andersons Nachfolger Tamas Detrich als angekündigten Rauswurf deutet, nun der zweite Hinweis, dass am Stuttgarter Ballett  ein tiefer Einschnitt, formell wie ästhetisch, bevorsteht. Wenn’s sein muss, auch mit der nötigen Brutalität.

Der erst 31-jährige Volpi, ein Argentinier, hat es wohl kommen sehen und  neulich erklärt, künftig mehr woanders zu arbeiten. Die Nichtverlängerung seines Vertrages bedauert er jetzt zwar, freut sich aber tapfer „auf die neue Herausforderung als freischaffender Künstler“ und  dankt dem Förderer Anderson, den Mitarbeitern, dem Stuttgarter Publikum. Sieht es  ihn womöglich bald mal in der Nachbarsparte Oper wieder?              

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