Stefanie Sargnagel nimmt Anlauf zur Eroberung der Welt

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Frech, klug, witzig und stets mit Böll-Mütze: Stefanie Sargnagel.  Foto: 

Manche nennen sie „den aufgehenden Star der deutschen Literaturszene“, andere „die wichtigste österreichische Autorin des 21. Jahrhunderts“. Österreichisch stimmt, deutsch nicht, aber deutschsprachig. Trotzdem ist auch Letzteres nicht unbedingt ernstzunehmen, denn es stammt vom Magazin Vice, für das Stefanie Sargnagel selbst regelmäßig schreibt. Nach der Lektüre der Bücher der Wienerin, die bei Daniel Richter Kunst studierte, mag man aber durchaus zum Schluss kommen, dass Vice keineswegs übertreibt. Sie stehe kurz vor der angestrebten Welteroberung, teilt sie gutgelaunt in der Pause einer „Geheimsitzung“ ihrer feministischen Burschenschaft Hysteria am Telefon mit.

Star würde sie sich selbst wohl nicht nennen, lieber „Gott“, „dickes besoffenes Engerl“ oder „It-Sandler“. Mit „Uff als Einstellung“. „Zu verkopft für eine Party-Maus, aber zu versoffen für eine Intellektuelle“ zählt sie sich zur Spezies der tragischen Trinkerin. Sie mag das zeitlose Klischee, und es steht der 31-Jährigen so gut wie ihr Markenzeichen, die Heinrich-Böll-Mütze. Wobei sie das Komasaufen, das im Debüt „Binge Living“ eine grundlegende Rolle spielte, im Verlauf ihres aktuellen vierten Werks „Statusmeldungen“ ebenso aufgibt wie den Callcenter-Job.

Doch klug und witzig ist sie immer noch. Das bei Rowohlt schön in Stoff gebunden und erneut mit ihren krakeligen Zeichnungen ausgestattete Buch ist wieder eine Sammlung zunächst bei Facebook veröffentlichter Befindlichkeitsnotizen. Die rangieren zwischen Ekel-Prosa und Aphorismen vom Kaliber eines La Rochefoucauld, sinnigen Fragestellungen („David Bowie war ein Mensch?“), klugen Beobachtungen und schönen bis albernen Wortspielen („Nervissage“) und ergeben das Psychogramm einer ganzen Generation.

Am besten ist es, wenn die begeisterte Müßiggängerin, Trägerin des österreichischen Kabarett- und des Bachmann-Publikumspreises, das vorliest. Ein Glück also, dass sie jetzt einen Weg fand, uninspirierende Lesereisen für sich zu optimieren: „Mit Voract macht’s mehr Spaß.“ So tourt sie seit gestern mit Puneh Ansari durch die deutschsprachige Welt.

Info Stefanie Sargnagel liest morgen, Donnerstag, 20 Uhr, in der SÜDWEST PRESSE Galerie Ulm, am 11. November in Basel, am 12. in Karlsruhe und am 13. in Mainz.

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