So böse wie die Buben

"Max und Moritz" kennen alle. Aber wer kennt "Maus und Molli"? Auch sie heckten böse Streiche aus - und sind nun nach Jahrzehnten zurück.

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Gestatten: Max und Moritz' Schwestern "Maus und Molli", hier in einer Buchausgabe von 1925.  Foto: 

"Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich." Was für Wilhelm Buschs Lausbuben "Max und Moritz" gilt, machten sich später auch ihre Quasi-Schwestern "Maus und Molli" zu eigen. Während die Streiche der Jungs richtig berühmt wurden, geriet die "Mädelgeschichte in sieben Streichen" in Vergessenheit. Ein Stuttgarter Verlag hat "Maus und Molli" wiederentdeckt und in den Buchhandel zurückgebracht.

"Maus und Molli" erschien erstmals 1925, 60 Jahre nach "Max und Moritz" (1865), aber im gleichen Münchner Verlag. Wilhelm Busch war da schon viele Jahre tot. Erlebt hatte er noch "Lies und Lene" von 1896. Sehr früh seien solche Parodien auf "Max und Moritz" erschienen, berichtet Monika Herlt von der Wilhelm-Busch-Gesellschaft in Hannover. Das reiche bis zu agitatorischen Parodien wie "Marx und Maoritz" aus der 68er-Zeit.

Die erste Ausgabe von "Maus und Molli" war laut dem Thienemann-Esslinger-Verlag bis in die 1950er Jahre hinein lieferbar. Aufmerksam man dort auf die "Mädelgeschichte" wurde Herlt durch eine Verlagsanzeige in einer frühen "Max und Moritz"-Ausgabe. Eine weitere Ausgabe mit einem Cover, das dem von "Max und Moritz" dann sehr ähnelte, erschien wohl um 1950 herum. Davon habe man nur noch ein Buch gefunden, berichtet Sibylle Schumann, die bei Thienemann-Esslinger den Reprint-Bereich betreut. Dieses Cover ziert nun die Neuausgabe, die in diesen Tagen in den Handel kommt.

Während Wilhelm Busch laut Herlt zeichnete und selbst reimte, teilten sich bei "Maus und Molli" der österreichische Karikaturist Carl Stroch und ein Wilhelm Herbert die Arbeit. Laut Thienemann-Esslinger war Wilhelm Herbert das Pseudonym von Wilhelm Mayer (1863-1925), einem nach Angaben des Zentralen Verzeichnisses Antiquarischer Bücher (ZVAB) dichtenden Landgerichtspräsidenten aus München. "Doch die Streiche sind nicht sonderlich einfallsreich, auch nicht typisch mädchenhaft", heißt es da. Und zur zeichnerischen Qualität sagt Herlt nur so viel: ",Max und Moritz' ist schon ganz hohe Zeichenkunst."

Buschs Buben quälen und stehlen Witwe Boltes Hühner, lassen Böck in den Fluss stürzen und bringen Lehrer Lämpels Pfeife zum Explodieren. Maus und Mollis Übeltaten sind keinen Deut weniger derb. Auch Schumann mag keine besonders weibliche Raffinesse entdecken. Im vierten Streich tauschen sie bei Nachbar Lorch die Zwillinge gegen ihre Puppen aus. "Molli nahm den Buben raus - und das Mädel fischte Maus." Das sei dann aber auch schon alles, so Schumann.

Maus und Molli stecken Nadeln in den Geburtstagskuchen, sie bringen ein Rindvieh zum Explodieren und lassen ein Eichhörnchen die Wohnung ihrer Tante verwüsten. Ein Happy End hat "Maus und Molli" übrigens ebenfalls nicht: Enden Max und Moritz bekanntlich als Entenfutter, werden Maus und Molli von Haifischen verschluckt.

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