Schüler tanzen Bach: Außergewöhnliche Aufführung des Weihnachtsoratoriums

Johann Sebastian Bachs populäres Weihnachtsoratorium hat Friederike Rademann mit hundert Schülerinnen und Schülern für die Internationale Bachakademie in Tanz umgesetzt. Motto: "Bach bewegt!"

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Hundert Stuttgarter Schülerinnen und Schüler lassen sich von Friederike Rademann in das Projekt "Bach bewegt" einweisen. Foto: Hanns-Horst Bauer

Bach war für Annabell (16) zwar schon ein Begriff, aber mit seinem Weihnachtsoratorium konnte sie zunächst mal "nicht so viel anfangen". Jetzt, kurz vor der seit langem ausverkauften Aufführung am morgigen Freitag im Stuttgarter Theaterhaus, ist sie als mitwirkende Tänzerin "überwältigt". Und das nicht nur vom Werk selbst, sondern auch von dem "gigantischen" Aufgebot an Sängern und Musikern unter der Leitung von Bachakademie-Direktor Hans-Christoph Rademann.

Dessen Ehefrau, Friederike Rademann, hatte nicht nur die Idee zu dem Projekt, das unter dem doppeldeutigen Motto "Bach bewegt" hundert Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 18 von sechs Stuttgarter Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium an die Musik von Bach heranführen sollte.

Die ehemalige Tänzerin und Solistin im Ballett der Semperoper Dresden hat auch die Choreographie für das getanzte Weihnachtsoratorium entworfen. Dabei ließ sie sich inspirieren vom modernen Ausdruckstanz, den ihre Lehrerin Gret Palucca in Dresden geprägt hat. Der bietet, wie sie bei der Vorstellung des Projekts im Theaterhaus betonte, die Möglichkeit, das Oratorium aus einer spannenden Perspektive zu erfahren.

Ganz wichtig ist dabei ihrer Ansicht nach der sozialpädagogische Aspekt: "Die Schüler erforschen tänzerisch, wie sich Freude und Jauchzen, Fragen und Bitten ganz körperlich anfühlen, wo der Zweifel steckt und wie gemeinschaftliches Tun sinnvoll und sinnlich sein kann."

Dabei sei es für viele, das gibt sie offen zu, "total schwer", über den eigenen Schatten zu springen. Gerade bei Jungs sei die Hemmschwelle, was das Ballett betrifft, immer noch enorm groß und von Vorurteilen geprägt, weshalb die auch ganz klar in der Minderzahl seien. Mit dem Leit-Thema "Bach bewegt!" will die Akademie, so Intendant Gernot Rehrl, nach neuen Wegen in die Zukunft suchen. Dabei gehe es nicht nur um die Bachakademie von morgen, sondern vor allem um einen Anstoß zu eigenen kreativen Entdeckungen: "Wir suchen nach neuen Formen der Musikvermittlung, die Praxis und Theorie, das Musizieren mit dem Nachdenken, das Erlebnis mit dem Miterleben, das Bewegende mit der Bewegung verbinden können."

Um Kindern und Jugendlichen Bach näher zu bringen, hat Holger Schneider, Fotograf und Online-Redakteur der Bachakademie, eigens eine animierte Website entwickelt, die sich in unterhaltsamer Form mit dem Projekt beschäftigt ("Wie sah Herr Bach eigentlich aus?"). Via "Bachbook" kann man hier auch Kontakte knüpfen.

Die Seite findet Hannes (12), einer der wenigen männlichen Teilnehmer des Tanzprojekts, sehr gut. Ihm macht es ganz besonderen Spaß, mit so vielen gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Und er hat auch den Eindruck, dass er dadurch eine ganz neue Sicht auf die Weihnachtsgeschichte bekommen hat.

Rademann dirigiert Kantaten
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