Schauspieler Bruno Ganz wird 75 Jahre alt

Bei ihm ist Pathos glaubwürdig, weil immer wieder ein wenig Ironie mitschwingt: Der große Schauspieler Bruno Ganz wird 75 Jahre alt.

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Bruno Ganz war mehr als zwei Jahrzehnte lang der führende klassische Held des deutschsprachigen Theaters. Auf der Bühne spielte er Hamlet und Faust, im Film Adolf Hitler in "Der Untergang" und Engel Damiel in "Himmel über Berlin". Jetzt ist der große Schweizer Schauspieler zum Darsteller des Alters geworden. Am Dienstag wird er 75 Jahre alt. Ganz arbeitete mit den innovativsten Regisseuren seiner Zeit, wie Peter Stein und Klaus Michael Grüber. In den 70er und 80er Jahren gehörte er zum Ensemble der Berliner Schaubühne, spielte Prometheus und Empedokles, Hamlet und Tasso. Spät, im Jahr 2000, war er auch noch Faust in der ungekürzten, zweiteiligen Inszenierung von Peter Stein.

Ganz widmete seine Theater-Kunst den großen Texten von der Antike bis zur Gegenwart. Wie wenige andere hat er Pathos glaubwürdig gemacht, weil er eine Spur von Distanz und Ironie mitschwingen ließ. Seit 1996 trägt er den Iffland-Ring, die bedeutendste Auszeichnung für einen deutschsprachigen Schauspieler. Er wird von dem jeweiligen Träger testamentarisch an einen Nachfolger übertragen.

Nicht gespielt hat er die große Altersrolle, Shakespeares König Lear, weil er sich immer mehr vom Theater zurückzog. Zuletzt spielte er 2012 in Paris den Max in Pinters "Le Retour", bei Lieblingsregisseur Luc Bondy. Die junge Theaterregiegeneration sei ihm fremd, weil sie dem Schauspieler die Identifikation mit der Rolle verbiete, sagte er wiederholt. Im Kino dagegen fand er die Emotionalität, die er im Theater vermisste. Seine erste Kinohauptrolle hatte der Schauspieler 1967 in "Der sanfte Lauf" von Haro Senft. Er war der Engel Damiel in "Der Himmel über Berlin" von Wim Wenders und ein todkranker Dichter voller trotziger Aktivität in "Die Ewigkeit und ein Tag" von Theo Angelopoulos.

Ein Film gibt einen besonders authentischen Eindruck von seiner Kunst: "Die Marquise von O." von Eric Rohmer von 1976. Bruno Ganz spricht die gedrechselten Kleist-Texte vorzüglich. Insgesamt hat er etwa 75 Kino- und TV-Filme gedreht. Er kann vor der Kamera mit Nuancen arbeiten, die im Theater in der 20. Reihe nicht mehr ankommen würden. Unter seinen letzten Filmen sah man das 2011 in "Satte Farben vor Schwarz", in dem er und Senta Berger ein Rentnerpaar darstellen, das dem Tod entgegensieht. Zuletzt war er 2015 in "Heidi" der Großvater des legendären Schweizer Mädchens.

Auch im Film hat er mit prominenten Regisseuren gearbeitet, so entstanden einige Werke, die den Theaterproduktionen ebenbürtig sind. Der erfolgreiche, aber auch umstrittene Film "Der Untergang" (2004) gehört nicht dazu - trotz der Glanzleistung von Bruno Ganz, der Hitler darstellte. Keine Analyse, sondern "distanzloses Dabeisein", urteilte der Kritiker Georg Seeßlen über den Film.

Seine vielleicht bewegendste Darstellung war der todkranke Bilderrahmenmacher Jonathan in der Highsmith-Verfilmung "Der amerikanische Freund", 1977 inszeniert von Wenders. Um seine Familie zu ernähren, nimmt er einen Auftragsmord an. Ganz spielt zunächst gespenstisch ruhig, wird dann zum Getriebenen und stirbt in der letzten Szene: Nach einer Auseinandersetzung mit Mafiosi ist er im Auto unterwegs, verliert die Gewalt über den Wagen, lacht und sagt zu seiner Frau: "Es wird so dunkel". Er sagt das auf Schweizerdeutsch.

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