Salzburg groovt: Ibsen rockt wie Iggy Pop

Die Perner-Insel in Hallein, fern vom Salzburger Festspiel-Zirkus, ist ein Ort fürs Extreme. "Peer Gynt" wird dort umgedeutet zur Rocker-Saga.

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Ingvar E. Sigurdsson tanzt als Peer mit Shantala Shovalingappa. Foto: dpa

Es war Peter Stein, der 1992 erstmals die "Schmuddelecke" bespielte. In 20 Jahren bot die Perner-Insel in Hallein, eine ehemalige Saline, einige große, sperrige, herausragende Theaterexperimente, etwa Luc Percevals zwölfstündige Shakespeare-"Schlachten!" (1999) und Nicolas Stemanns Achtstunden-"Faust I+II" (2011). Ibsens "Peer Gynt" - oder das, was Regisseurin Irina Brook daraus gemacht hat - nimmt sich da mit dreieinhalb Stunden Dauer bescheiden aus.

Die Tochter des Theatermagiers Peter Brook und der Schauspielerin Natasha Parry hat sich längst aus dem Schatten des berühmten Vaters befreit. Und setzt doch in manchem dessen Arbeit fort: So verströmt auch ihr "Peer Gynt" viel Straßentheater-Flair und jongliert mit Zirkus-, Zauber- und Musik-Elementen. Das Konzept ist klar und überschaubar: Brook verknüpft "Peer Gynt" mit Iggy Pop, dem "Godfather" des Punk, und modelt den Ibsen-Text zum Rockmusical über einst wilde und zwangsläufig alternde Pop-Opas um. Der famose isländische Hauptdarsteller Ingvar E. Sigurdsson ist alles: Kraftmeier, Säufer, Egomane, Zappelphilipp, Frauenschwarm und Frontsänger einer Band namens "PG und die Trolle" - bis er als Zweifler und gebeugtes Rocker-Wrack im Schoß seiner treu wartenden Solveig (Shantala Shivalingappa) verdämmern darf.

Von Ibsen bleibt da nicht viel übrig. Das Gerüst des Abends bilden neben den Grieg-Klassikern zwölf teils verrockte, düstere Gedichte des US-Autors Sam Shepard (der aus "Paris, Texas") und zwei ebenso extra für Salzburg geschriebene Songs von Iggy Pop höchstselbst.

Diese Rocker-Saga verflacht das lebenspralle, naturmythische, dämonische Drama zum harmlosen, kunterbunten Allerwelts-Musical. Der Trollkönig wird zum Nachtclub-Boss umgestylt, Anitra klaut dem armen PG die goldene Rockstarhose, und irgendwann landet Peer auch noch in einem Ashram-Kloster. Dennoch: Brook erzählt mit leichter Hand, mit viel Melancholie und Augenzwinkern. Kein Paukenschlag mit großem Konzept-Getöse. Eher locker-flockiges Off-Theater.

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