Ronja von Rönnes Beschwerden ans Leben

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„Stimmt doch, Albert Einstein wurde hier geboren?“, fragte Ronja von Rönne im Ulmer  Roxy, um das Publikum gleich zu warnen: „So schlau wird’s hier heute nicht.“ Nun, wer aber erwartet hatte, bei der Lesung der 25-Jährigen werde es doof zugehen, wurde enttäuscht.

Aber vielleicht – hoffentlich – hatte das auch gar keiner erwartet bei dem Auftritt der in Oberbayern geborenen, in Berlin lebenden Bloggerin, Kolumnistin und Schriftstellerin. Denn die Aufregung um Ronja von Rönnes vor zweieinhalb Jahren auf welt.de erschienenen provokanten Text „Warum mich der Feminismus anekelt“ hat sich nach einem gewaltigen Shitstorm wieder gelegt. Sie selbst hatte den Axel-Springer-Preis, den sie für ihr steiles Thesenwerk bekommen sollte, wegen „missverständlicher Sätze“ abgelehnt und sich von ihrem eigenen Text distanziert. Sie hat beim Ingeborg-­Bachmann-Wettbewerb gelesen, mit „Wir kommen“ einen Roman und in diesem Jahr mit „Heute ist leider schlecht“ eine hübsche Kolumnen-Sammlung vorgelegt.

Tipps und Selbstzweifel

Aus diesen „Beschwerden ans Leben“ las sie am Donnerstagabend – aus einem Exemplar, in dem die Mutter ihres Freundes die Rechtschreibfehler angestrichen hatte. Die Texte sind zuvor in „Glamour“, der „Welt“ und ihrem Blog „Sudelheft“ erschienen, seit Kurzem schreibt Ronja von Rönne für die „Zeit“.

Pointiert bietet sie eine Reihe „Tipps, wie man Schüchternheit loswerden kann“ und, wenn diese Ratschläge zu gut funktioniert haben sollten, gleich „Tipps, um einen One-Night-Stand loszuwerden“. Es geht um Eifersucht, Ikea und Selbstzweifel. Um Geld, Kaufhäuser, in denen 1962 die Zeit stehengeblieben ist, und Selbstzweifel. Um die abgrundtiefen Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben – und um Selbstzweifel. Überhaupt pendelt der Vortrag zwischen zartem Selbstbewusstsein und einer wohl nicht koketten Selbstdestruktivität hin und her – stets mit Sprachwitz und einigen hübschen gedanklichen Haken.

Dazu plaudert Ronja von Rönne über ihre vergebliche Integration in Bayern und ihre drei abgebrochenen Studien, wobei eines nur einen halben Tag lang dauerte, mithin also nicht zählt.

„Lesungen sind oft eine Unverschämtheit“, sagte sie. „Ich hoffe, meine nicht.“ Nein, im Gegenteil!

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