Ringsgwandl-Konzert im Roxy: Die zarten Seiten eines Krattlers

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Georg Ringsgwandl fällt  nichts mehr ein. Schon seit ewigen Zeiten. Das behauptete der gewitzte Liedermacher zumindest am Samstagabend im Roxy. Was macht ein verzweifelter Barde, wenn er dennoch „saubere Musik und dreckige Geschichten“ auf die Bühne bringen will? Er schreibt ab. Aus Heimatzeitungen und aus der Patientenkartei seines Psychiaters, der ihm eine Kur samt Pilates und Elektroschocks verschrieben hat. Oder er belauscht ein Gespräch einer an Legasthenie leidenden Journalistin.  „Furchtbar“ heißt das Lied über die unzufriedene Berufsschreiberin – und furchtbar lustig und traurig zugleich sind auch die Themen, denen sich Georg Rings­gwandl widmet.

In Liedern wie „Dawischt“, „Oberpfalz“, „Der Krattla von Minga“ und dem Titelsong seines neuen Albums „Woanders“ entwirft er einen hochintelligenten Mikrokosmos des menschlichen Daseins, in dem die mühevoll aufgebaute Fassade enttarnt und deutlich wird: Der Mensch stolpert in seinem eifrigen Bemühen schnell mal über sich selbst. Denn das Leben schreibt seine eigenen Gesetze. Folgerichtig heißt es in „Dawischt“: „Du hast alles genau berechnet, es war so gut geplant, trotzdem geht da was nicht auf: Dich hat’s erwischt“.

Auf dem Zenit seines Könnens

Unterstützt wurde Ringsgwandl auf der Bühne von seiner exzellenten Band. Das Zusammenspiel mit Christoph Müller (Gitarre), Tommy Baldu (Schlagzeug) und Christian Diener (Bass) war perfekt harmonisch, der abgehangene Groove begeisterte das Publikum. So sprang der Funke im gut besuchten Roxy schnell auf die Zuhörer über.

Der Live-Auftritt bestätigte, was sein ausdrucksstarkes Album „Woanders“ schon angedeutet hatte: Ringsgwandl  verströmt mittlerweile nicht nur Altersweisheit, er hat sich  künstlerisch stetig weiterentwickelt und nun bis zum Zenit seines Könnens emporgearbeitet.

Mit „Anders“ und seinem Klassiker „Nix mitnehma“ bot der 68-Jährige hochkarätige Zugaben auf. Auch sein Kult-Song „Hühnerarsch, sei wachsam“ durfte nicht fehlen. Den zelebrierte er genüsslich unter dem freudigen Gejohle der Zuschauer. Und verkündete am Schluss, dass er seine Gage der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Ulm spende. Denn: „Wer selbst noch einmal davongekommen ist, gibt gerne.“  Seine allerletzten Zeilen galten folgerichtig dem scheinbar unscheinbaren „kleinen“ Mann, der sich nicht „drum kümmert, was die andern sagen“.

Damit endete ein humorig-beeindruckender Liedermacher-Abend, der unter die Haut ging.

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