Ramses II.: Ausstellung über den größten Pharao von allen

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Überlebensgroß und aus Granit gehauen thront er auf seinem Podest: Ramses II., der mächtigste ägyptische Pharao der Geschichte. 3300 Jahre in der Zeit zurückversetzt wird der Besucher beim Betreten der Sonderausstellung „Ramses – Göttlicher Herrscher am Nil“ im Badischen Landesmuseum. Es ist die erste große deutsche Einzelausstellung, die dem Pharao gewidmet ist. Schlagwörter wie „Großer Pharao und Gott“ oder „Bauherr und Stadtbegründer“ prangen an den Wänden der acht Ausstellungsräume im Karlsruher Schloss. Das sind erste Hinweise auf die immense Bedeutung des Pharaos. „Er regierte Ägypten 66 Jahre lang, brachte dem Land Frieden und errichtete monumentale Bauten“, fasst Kurator Lars Petersen zusammen.

Gelebt hat Ramses II. vermutlich von 1303 bis 1213 vor Christus. Er wurde fast 90 Jahre alt und soll an die 100 Kinder gehabt haben. Sieben Hauptfrauen, darunter seine Lieblingsfrau Nefertari, und zahlreiche Nebenfrauen haben ihm Nachkommen geschenkt.

Bauherr und Diplomat

Ramses II. erbrachte aber nicht nur privat imposante Leistungen. Zu seinen größten staatsmännischen Erfolgen zählt der Friedensvertrag mit der vorderasiatischen Großmacht der Hethiter nach der Schlacht von Kadesch. Dieser gilt als erster überlieferter Friedensvertrag der Weltgeschichte. Außerdem ist Ramses II. für seine rege Bautätigkeit bekannt. Er hat große Tempelanlagen errichten lassen, darunter die beiden Felsentempel von Abu Simbel und das Ramesseum im südlichen Ägypten. Auch die Hauptstadt Pi-Ramesse im Norden des Landes geht auf sein bauwerkliches Tun zurück. Bei Weitem dürften ihn die mehrere Meter hohen Statuen seiner selbst überragt haben, die Tempel und Paläste zierten.

Die „Kolossalstatue Ramses‘ II. als Beter“ aus Rosengranit gehört da mit ihren 2,20 Metern noch zu den kleineren. Die erwartet die Besucher im ersten Ausstellungsraum des Museums. Die Leihgabe aus dem Turiner Museo Egizio kommt im terrakottafarbenen Saal gut zur Geltung und soll das Kolossale der Bildnisse und Bauten des Pharaos veranschaulichen.

Durch ein Wandbild, das das Innere des großen Tempels von Abu Simbel zeigt, taucht der Besucher dann in die Welt von Ramses II. ein. 162 Leihgaben aus 30 europäischen Museen gibt es in den meist luftig gestalteten Sälen zu sehen. „In Ägypten konnten wir wegen der momentanen politischen Situation nicht anfragen“, erklärt Eckart Köhne, Direktor des Landesmuseums.

Stelen, kleine Skarabäus-
Glücksbringer und Reliefs wie ein farbenprächtiges Exemplar aus dem Louvre erzählen von der Verehrung Ramses’ II. So hat der Pharao dem Volk und auch den Feinden seine Macht demonstriert. Unter den Leihgaben sind aber nicht nur Artefakte von hohen Würdenträgern, sondern auch eine Babyflasche, eine Leihgabe aus Heidelberg, die für das Bäuerliche und Alltägliche steht. Schließlich bestand die altägyptische Gesellschaft zu rund 95 Prozent aus Bauern, Handwerkern und Dienern. „Leider ist davon nur wenig erhalten geblieben“, sagt Lars Petersen.

Mit aufs Meer und in fremde Länder wird der Besucher im Saal „Ramses als Stratege und Diplomat“ genommen. Er ist ganz in Grün gehalten, denn das Mittelmeer bezeichneten die Ägypter als „das große Grüne“. Der Blick richtet sich auf das Fremde, nach Vorderasien. Farbige Relieffliesen aus dem Museum August Kestner in Hannover und Statuetten, die gefangene Ausländer darstellen, zeigen die Beziehung der Ägypter zu anderen Völkern.

Die intensiven Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Großmächten beflügelten wiederum den Handel und den kulturellen Austausch. Unter Ramses II. erlebte das Land am Nil eine kulturelle und wirtschaftliche Hochblüte, die nach ihm kein Pharao mehr erreichte.

Ein Highlight der Ausstellung ist eine Computervisualisierung der Ausgrabung der Hauptstadt Pi-Ramesse. „Kaum ein Pharao hat so viele Bauwerke hinterlassen wie Ramses II.“, sagt Kurator Lars Petersen. Dieses Megaprojekt könnte aber auch einer der Gründe für den Exodus gewesen sein, den im 2. Buch Mose überlieferten Auszug der Israeliten aus Ägypten. Zeitlich könnte es tatsächlich sein, auch wenn diese These unter Forschern sehr umstritten ist.

Eine echte Mumie

Bei einer Ausstellung über einen ägyptischen Pharao darf eine Mumie natürlich nicht fehlen – auch wenn es sich nur um eine Katzenmumie handelt. Wie die Einbalsamierung und Mumifizierung im alten Ägypten funktionierte, wird anschaulich im sogenannten „Ramses-Lab“ erklärt. Dort ist auch eine Nachbildung der umwickelten Mumie des Pharaos zu sehen. Echt ist hingegen der Blumenschmuck aus dem Botanischen Museum in Berlin, mit dem die Ramses-Mumie bei der Bestattung verziert wurde. Auch wenn Ramses II. für uns heute als unsterblich gilt – er war es eben doch nicht gewesen.

Dauer Die Ramses-Ausstellung ist ab Samstag im Karlsruher Schloss zu sehen. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Ausgestellt sind die Artefakte bis 18. Juni 2017.

Programm Am 13. Januar, 18.30 Uhr, führt
Giovanni Belzoni, Ausgräber der Tempel von Abu Simbel und Karnak, „persönlich“ durch die Ausstellung – er wird also von einem Akteur verkörpert. Am 17. Januar, 15 Uhr, heißt es „Ramses der Große: Mensch und Gott zugleich“ und einen Vortrag zu „Staatsraison – Die Kunst Ramses II.“ gibt es am 22. Januar, 15 Uhr. Weitere Infos unter: www.landesmuseum.de

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