Premiere: "Waisen" auf der Jungen Bühne

Die erste Premiere der Jungen Ulmer Bühne ist gleich ein richtig starkes Stück: Das Familiendrama „Waisen“ überzeugt durch intensives Spiel.

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Nichts für schwache Nerven: Das Schauspiel „Waisen“ von Dennis Kelly im Theaterhaus am Kuhberg.  Foto: 

Es ist nichts für schwache Nerven, das Stück Dennis Kellys „Waisen“, das bei der neu formierten Jungen Ulmer Bühne im Theaterhaus am Kuhberg Premiere feierte.

Dabei beginnt es so harmlos und fröhlich: mit einem romantischen Candlelight-Dinner im Wohnzimmer. Sohn Shane ist bei der Oma untergebracht, Helen (Claudia Steiner) ist zum zweiten Mal schwanger, und ihr Ehemann Danny (Simon Fleischacker) hat lecker gekocht. In diese Idylle platzt Helens Bruder Liam (Simon Rossa) – blutüberströmt.

Von nun an entwickelt sich in raffiniert kombinierten Dialogfetzen ein starker Psychothriller. Mit jedem Satz, mit jeder neu aufgetauchten Frage wird die Situation komplizierter und immer auswegloser für die Protagonisten. Die anfängliche Version vom verletzten Jugendlichen, dem Liam helfen wollte, entpuppt sich als Lüge. Liam erzählt die Geschichte immer wieder anders, bis er schließlich gesteht, einen arabischen Familienvater niedergestochen zu haben. Aus blankem Sadismus und verkapptem Rassismus!

Was tun? Die Polizei rufen? Liam ist vorbestraft, und Helen will ihren Bruder schützen. Beide haben eine schwierige Kindheit als Waisenkinder hinter sich, während Danny behütet aufgewachsen zu sein scheint. Schließlich wirft auch das „Vorzeigepaar“, wie Liam Helen und Danny bezeichnet, alle moralischen Werte und ihre Vernunft über Bord, um die Straftat zu vertuschen. Helen aus Liebe zu ihrem Bruder, Danny auf Druck seiner hysterisch-ängstlichen Frau. Das kann nicht gut ausgehen.

Kellys Stück zeigt, wie schnell ein labiles Familienmitglied die anderen mit in den Abgrund reißen kann, in einen Strudel aus Selbstverleugnung, Brutalität und Fremdenhass. Die drei Akteure müssen in Anastasia Kuznetsovas Inszenierung emotionale Schwerstarbeit leisten. Man sieht, dass sie sehr intensiv auch an den kleinsten Details gearbeitet haben, was sich in der sehr gelungenen Aufführung auszahlt. Am Ende braucht es etwas, bis man sich aus der Schockstarre gelöst hat. Doch dann bedankt man sich mit viel Applaus.

Spielzeiten

Freitag und Samstag, 20 Uhr.

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