Per Kirkeby in der Galerie Schloss Mochental

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Vollendetes im Fragment: Per-Kirkeby-Gemälde.  Foto: 

Auf den ersten Blick ist Per Kirkeby zupackend und schroff. Diesen Eindruck bekommt man vor allem bei seinen Skulpturen, deren Oberfläche tiefe Gräben aufweisen. Jedes Kneten der Finger zeichnet sich ab. und die Haptik erinnert an die Köpfe Auguste Rodins. Im Gegensatz zum Franzosen zeigt der Däne Kirkeby in seinen Köpfen jedoch ein bisschen Karikatur und Schelmerei.

Die Galerie Schloss Mochental stellt eine ansehnliche Bandbreite von Werken des Documenta-Teilnehmers aus. Man sieht zarte Aquarelle, ausfasernde Kohlezeichnungen, Collage und informelle Malerei. Einige Skulpturen stellen den Bildhauer Kirkeby vor, der stets die Kunst in ein Verhältnis zur Natur setzte.

Der 1938 geborene Künstler studierte zunächst Geologie und promovierte in dem Fach. In den 70er Jahren wurde er mit seinen Backstein-Häusern bekannt, und in den 80ern begann er, die Natur in Bronzen darzustellen. Eine sehr große Baum-Bronze mit dem Titel „Torso-Ast“ steht im Park vor dem Museum in Kochel am See. In Schloss Mochental sieht man Kopf-Skulpturen, die ihre Physiognomie kaum erkennen lassen. Typisch für Per Kirkeby sind die zerwühlten Oberflächen, die von Kraft, aber auch von Bedrängnis oder Zerwürfnis sprechen. Wie Auguste Rodin sieht auch Per Kirkeby im Fragment das Vollendete.

Auf den Bildern sucht der Betrachter stets Anknüpfungspunkte. Doch der Däne gibt diese Augenanker ungern preis. Man muss den Blick über die Farbflecken eine Weile wandern lassen, bis sich Assoziationen einstellen. Nach und nach schälen sich dann Strukturen heraus, die an Naturphänomene erinnern. Rinde und Nester, Häute und Hügel lassen sich ausmachen. Das Auge findet Anknüpfungspunkte an Zaunelementen oder Haussilhouetten, die sich grafisch in die Farbflächen einfügen.

Per Kirkeby, der sich als Romantiker bezeichnet, gibt auch der Vergänglichkeit in abstrahierten Stillleben viel Raum. Einige Bilder erinnern an bunte Kritzelei auf Schiefertafeln. Scheinbar willkürlich verknäueln sich Linien zu Nestern und lösen sich an anderer Stelle wieder auf. Per Kirkeby lagert verschiedene Bildebenen übereinander und verzichtet auf Perspektive. So schweben halbkugelartige Hügel oder Hütten frei vor einer Landschaft aus leerem Raum.

Auf den großformatigen Kohlezeichnungen bündelt sich feingliedriges Reisig zu endlos erscheinenden monumentalen Skulpturen. Von einer wunderbaren Flüchtigkeit sind einige Aquarelle, in denen der Maler die Elemente nur zu tupfen scheint.

Die transparenten Zeichnungen stehen in Schloss Mochental im Gegensatz zu den verschlossenen Skulpturen, die monolithisch und abweisend die Energie bündeln. Die Aggregatsformen „fest“ und „flüssig“ stehen in der Ausstellung ebenbürtig nebeneinander.

Info Bis 6. August in der Galerie Schloss Mochental, Di-Sa 13-17, So 11-17 Uhr.

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