Pablo Picassos große Themen in Lindau

Picassos Passionen: Stierkämpfer, Gaukler, Artisten, Zirkusreiter, Mütter mit Kind, Frauen, Frauen und nochmals Frauen, alle sind sie jetzt versammelt am Bodensee, im Lindauer Stadtmuseum.

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Das ist ja wahrlich keine Kleinigkeit, wenn Ausstellungskurator Roland Doschka in seiner zweiten Picasso-Schau im Lindauer Haus zum Cavazzen gleich sämtliche Leidenschaften des spanischen Großmeisters unter einem Dach versammeln will. Pablo Picassos gewichtigste Passionen sind nicht an einer Hand aufzuzählen. Da sind einmal all die Gaukler und Zirkusartisten, die er immer wieder vor seine Staffelei holte, da sind vor allem die Frauen, mit denen er sich zeitlebens am intensivsten beschäftigte, da ist die Tauromachie, der Stierkampf, für ihn ein fortwährendes Faszinosum.

Seine starke Bindung an die Familie kommt hinzu, in allen Schaffensphasen, ob nun auf Zeichnungen, Aquarellen, Ölbildern, Radierungen oder Lithographien. Überall tauchen sie auf, Mutter und Kind, die viel gerühmte Maternité. Nicht zu vergessen Picassos Auseinandersetzung mit den Alten Meistern und die Obsession, sein ganz persönliches Verhältnis zu seinen Modellen künstlerisch zu bewältigen.

Das alles will Roland Doschka nun sozusagen zu einem einzigen Lindauer Picasso-Porträt zusammenführen, zu einer Künstler-Hommage collagieren? Roland Doschka behauptet zwar, so eine Picasso-Schau ließe sich nicht mit links machen, aber man hat schon den Eindruck, dass der Kurator keinerlei Mühe hatte, seinen Lieblingskünstler im besten Licht zu zeigen. Denn Doschka ist immerhin seit gut fünfzig Jahren mit dem Werk Picassos verbandelt, auch auf die mit ihm befreundeten Picasso-Sammler kann er sich bombenfest verlassen.

Angela Rosengart, die von Picasso viele Male porträtiert wurde, hat ihre Schatztruhe wieder einmal geöffnet und kostbare Stücke nach Lindau gegeben. Aus der Sammlung Würth kommt eine wirklich prachtvolle Keramik, eine Servierplatte, die Pablo Picasso flugs zu einer Stierkampfarena umgeformt hat. Als Betrachter sitzt man quasi hoch oben auf der Tribüne und verfolgt das dramatische Geschehen in der Manege.

Und man darf staunen, wie wunderbar locker und leicht Picasso beispielsweise 1905 auf einer Einladungskarte für seinen Freund Max Jacob einen jungen Akrobaten mit seinem kleinen dressierten Äffchen skizziert hat. Auch ist die Wiedersehensfreude groß, denn Picassos Mädchen mit dem Pferdeschwanz, Sylvette David, die Bleistiftzeichnung von 1954 aus der Sammlung Horst und Gabriele Siedle, hängt wieder im Haus zum Cavazzen, sie war schon 2011 in Lindau dabei.

Info "Picassos Passionen" bis 28.August im Haus zum Cavazzen, im Stadtmuseum Lindau. Mo-So 10-18 Uhr; www.museum-lindau.de

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