Offenbach hat es Dresden angetan

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Im Offenbach-Taumel scheint Dresden derzeit zu schweben. Wurde die neu eröffnete Staatsoperette mit des Meisters „Orpheus in der Unterwelt“ eingeweiht, hob sich im Semperbau der Vorhang für die Oper „Hoffmanns Erzählungen“. E. T. A. Hoffmann, eine der eigenwilligsten Gestalten der deutschen Romantik, Dichter, Maler und Musiker zugleich, sowie seine im Zwielicht von Fantastik und Realität flackernden Geschichten schienen Jacques Offenbach als Sujet für seine einzige große Oper wie geschaffen.

Mit Frédéric Chaslin am Pult der Sächsischen Staatskapelle erlebte das Werk nun eine beachtenswerte Neuproduktion. Nicht eine schlüssig erzählte Handlung gestaltet Regisseur Johannes Erath, vielmehr ein Kaleidoskop wundersamer Begegnungen zwischen Traum und Wirklichkeit. Drei Liebeserzählungen der Titelfigur stehen im Zentrum des Geschehens. Wobei die Beziehungen Hoffmanns zu den Frauengestalten – der automatenhaften Puppe Olympia, der leidenschaftlichen Sängerin Antonia sowie der verführerischen Kurtisane Giulietta – letztlich alle scheitern. Gleichnishaft spiegelt der Dichter in diesen Figuren seine große Liebe, die unerreichbare Sängerin Stella, wider.

Auf einer Traumreise

Hoffmann durchlebt in Eraths Interpretation Albträume auf seiner unentwegten Suche nach einem weiblichen Idealbild. Zwei Gestalten gegensätzlicher Art sind es, die ihn begleiten. Einerseits sein dämonischer Gegenspieler Lindorf, in immer veränderter Erscheinung des Dichters Weg verhängnisvoll kreuzend, andererseits die sich um sein Befinden sorgende Muse.

Die abgründige Fantasiewelt Hoffmanns auf dem schmalen Grat zwischen Normalität und Irrealität mit all den Facetten des Skurrilen und Mehrdeutigen hat Heike Scheele in ihrer Bühnengestaltung treffend eingefangen – ein Bühnenbild, in dem es keine konkreten Räume gibt. Im Mittelpunkt von Gesine Völlms Kostümen steht das weiße Ballettkleid, dessen Trägerinnen zur Projektionsfläche von Hoffmanns Fantasien werden.

Das Ensemble überzeugt. Eric Cutler leuchtet die Spannweite der zerrissenen Seele Hoffmanns aus, Tuuli Takala stellt mit brillanten Koloraturen eine fesselnde Olympia auf die Bühne. Und die Christina Bock erfüllt die komplexe Figur der Muse mit vitalem Bühnenleben.

So vielgestaltig sich die Partitur in ihrer genialen Verknüpfung von dämonischem Charakter und lyrischer Melodik darstellt, so vielfältige Tonschichten brachte die Staatskapelle fein abgestuft zum Klingen. Dietrich Bretz

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