Nils Wülker im Ulmer Zelt: Jazz von Herzen

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Funk, Mainstream Jazz, elektronische Schnipsel, ausufernder Jazz, Nils Wülker hat eine Menge spielerische Elemente in seinen Auftritt im Ulmer Zelt gepackt. Auch wenn es mitunter sehr gefällig klang, sein Publikum begeisterte der Jazztrompeter auf jeden Fall.

Subtropische Temperaturen vor und im Zelt und kurz vor Konzertbeginn ein heftiger Gewitterregen – der das Konzert sogar leicht verspätet beginnen ließ, weil die Musiker bei den Sturzbächen nicht einmal den kurzen Weg ins Zelt schafften.

Noch in die ersten Auftakttöne der Trompete von Nils Wülker hörte man die letzten Tropfen das Zeltdach hinunterperlen. Fast so, als wäre es eines jener elektronischen Spielereien, die der Mann aus Bonn gerne und reichlich in seine Stücke einbezieht. Genauso  wie Funk- oder Grooveelemente, wie in  den Auftaktsongs „Circles“ und „You Cannot Imagine“ vom aktuellen Album „ON“. Da hielt man es als Zuhörer nur schwerlich sitzend aus.

Andererseits kann Wülker auch den Träumer mit seiner Trompete geben. Wie in „Dawn“, wo er seine Eindrücke eines Sonnenaufgangs in den Hollywood Hills von LA in Noten umsetzt. Das klingt dann auch musikalisch fast so kitschig wie man es sich bildlich vorstellt. Für die einen „halt einfach schön“,  für andere zu konventionell. Zwei Extreme, die das Werk von Nils Wülker schon lange begleiten.

Für Jazzpuristen klingen Musiker wie Wülker  immer zu glatt, zu poliert. Weder ist er den Traditionen verpflichtet noch ist er ein innovativer Erneuerer. Zu viel Mainstream, zu wenig Coolness. Kann man so sehen, aber dann übersieht man dabei, das Wülkers Anspruch ein gänzlich anderer ist. Er kennt den Jazz, aber eben auch all die anderen musikalischen Einflüsse unterschiedlichster Genres und hat kein Problem, sie in sein Spiel einfließen zu lassen.

Andererseits lieferte sich Wülken im seinem Ulmer Konzert bei „Pull of the Unknown“ oder „Trust“ spannende Duelle mit seinem Gitarristen, die so gar nicht nach harmonischem Miteinander als vielmehr nach heftigem Fusion-Jazzrock der siebziger Jahre klangen. Da sind sie dann, die Ecken und Kanten, da wird die Liebe zum Jazz hörbar, nicht nur ausgetretene Pfade zu gehen.

Dazu ließ Nils Wülker seiner Band immer wieder Freiräume in den Stücken: Roman Schuler am E-Piano, Arne Jansen an der Gitarre, der Sänger Rob Summerfield.  Lang anhaltender Beifall am Ende für einen kurzweiligen, abwechslungsreichen Zelt-Auftritt.

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