Nichts bringt ihn aus der Ruhe

Er hat die bekanntesten Orchester der Welt geleitet, Zuhörer von New York bis Moskau begeistert. Heute feiert Colin Davis seinen 85. Geburtstag.

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Der Dirigent Sir Colin Davis wird heute 85 Jahre alt. Foto: dpa

Es klingt wie eine dramatische Schlussszene aus einem Film. Als an einem Abend im Mai in der Dresdner Semperoper das Ende der g-Moll-Symphonie von Mozart eingeläutet wird, erleidet der Dirigent vor den Augen des Publikums einen Schwächeanfall. Doch anstatt zu Boden zu sinken, hält sich Colin Davis fest, beißt die Zähne zusammen und dirigiert das Konzert wie geplant zu Ende.

Wenn es um die Musik geht, scheint diesen Briten so schnell nichts aus der Ruhe zu bringen. Auch damals nicht, 1985, als ihm bei einer Probe vor dem Orchester eine Naht platzt und er daraufhin den gesamten Ärmel seines Jacketts abreißt, um ungestört weiter machen zu können. Souverän, unaufgeregt, auf das Wesentliche fokussiert - für diese Eigenschaften ist Sir Colin Davis bekannt. Heute wird der Brite 85 Jahre alt.

Nur einmal, vor drei Jahren, da musste er sich kurzzeitig geschlagen geben. Weil sich die Ausstellung eines neuen Reisepasses verzögerte, musste der Dirigent drei seiner Konzerte mit der Staatskapelle Dresden absagen. Niemand wollte ihm die Ausreise aus England genehmigen. Eine ungewohnte Situation für einen, der in seinem Leben immer unterwegs war.

Davis wird im englischen Weybridge geboren. Schon während des Militärdienstes spielt er als Klarinettist in der Kapelle einer Kavallerieeinheit. Für das Studium am Royal College of Music zieht er nach London - lernt dort nicht nur das Dirigieren, sondern entdeckt auch seine Liebe zur klassischen Musik.

Nach dem Abschluss folgen Anstellungen in Schweden, Toronto, London, Moskau, New York und Paris. 1993 wird er als Chefdirigent des London Symphonie Orchestra berufen. Und auch in Deutschland wird er für seine herausragende Arbeit geschätzt. Von 1983 bis 1992 ist er Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Daneben arbeitet er als Gastdirigent bei der Staatskapelle Dresden, von der er 1990 zum Ehrendirigenten ernannt wird - der einzige in der Geschichte des Orchesters.

Es ist die Leidenschaft für seine Arbeit sowie sein Können, die Davis zu einem der bedeutendsten seiner Zunft machen. Vor allem für seine Liebe zu Mozart ist der Brite bekannt, aber auch Sibelius und Berlioz gilt seine besondere Aufmerksamkeit. Davis, der 1980 zum Ritter geschlagen wurde, hat in all den Jahren auf Bescheidenheit gesetzt. Seine Musik kam für ihn immer an erster Stelle: "Die klassische Musik ist die schönste Erfindung des Menschen. Es wird immer Leute geben, die sich davon verführen lassen." Für ihn sei Musik immer ein Lebenselixier gewesen.

Am Abend nach dem Schwächeanfall wird Davis ins Krankenhaus gebracht. Die Ärzte geben Entwarnung - alle geplanten Konzerte sowie die bevorstehende Europa-Tour können wie geplant stattfinden. Die Tour trägt den Titel "Sir Colin at 85". Sie ist das Geburtstagsgeschenk der Staatskapelle an ihren Ehrendirigenten. Gespielt wird Mozart.

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