Martin Walsers neueste Inszenierung

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Auch mit 86 Jahren labt sich der Schriftsteller Martin Walser literarisch am "Unglücksglück" und hat schon wieder einen Roman veröffentlicht über einen Mann, die Kunst, die Liebe und den Sex im Alter: "Die Inszenierung". Walsers Alter Ego heißt diesmal Augustus Baum, ist ein berühmter Theaterregisseur und liegt nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Aber er inszeniert weiter: sich selbst, aber auch "Die Möwe" von Anton Tschechow. Vor allem aber leidet er gern an Wahn und Wirklichkeit. Und weil seine Ehefrau Dr. Gerda Baum und Nachtschwester Ute-Marie nicht gerne in seiner Lebensinszenierung als doppelt besetzte Geliebte auftreten wollen, hat der ziemlich eingebildete Kranke in diesem gebildeten Roman am Ende guten Grund, ein theatralisches Solo abzuziehen.

Natürlich spricht Martin Walser über Martin Walser, und zwar ironisch - wobei er hofft, dass der Leser zwar darüber schmunzelt, aber den Autor trotzdem bewundert und bemitleidet. "Er war sich auch nie zu gut, in Fragen des Zeitgeschehens mitzureden. Als Theatermann", heißt es - von Augustus Baum. Trefflich sind auch diese Sätze: "Meine Inszenierungen sind ein Selbstgespräch. Und das öffentlich! Das sei, sagt er, das Paradox, aber auch das Peinliche, von dem das Theater lebe, dass es öffentlich mache, was ganz im Inneren stattfindet." Der Autor Walser tut das eben in literarischen Inszenierungen. Und dabei greift er in diesem dialogischen Roman gerne zum schöngeistigen Kitsch. "Darf ich ein Bild wählen für das, was diese Frauen für dich waren, wenn sie dir Energie gespendet haben? - Bitte - Steckdosen. (. . .) Und du hast für den Strom, den sie dir lieferten, nicht bezahlt", so unterhält sich Gattin Gerda, die Nervenärztin, mit ihrem Mann.

Die Walser-Fans kommen also in diesem Ehe-dramatischen Kammerspiel auf ihre Kosten, andere Leser halten diesen Roman für so etwas wie Schwarzwaldklinik für Bildungsbürger.

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