Marilyn und andere Madonnen

Eine spätgotische Madonna und Warhols Marilyn? Sie begegnen sich im Ulmer Museum in einer Sonderausstellung, und zwar "Auf Augenhöhe".

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Marilyn Monroe und eine mittelalterliche Maria. Foto: Volkmar Könneke

Eine neue Direktorin könnte nicht passender beginnen: Sie macht Inventur im eigenen Haus, knüpft Kontakte zu hochkarätigen Sammlungen der Region und präsentiert scheinbar vertraute Kunst neu. Gabriele Holthuis, von Schwäbisch Gmünd an die Donau gewechselt, zeigt Meisterwerke aus Mittelalter und Moderne - "Auf Augenhöhe" lautet der Titel der Sonderausstellung mit knapp 100 Werken in 14 Räumen.

Und so begegnet die "Schöne Ulmerin", also die Reliquienbüste der Maria Magdalena von Michel Erhart (um 1475/80 entstanden), einer Afrikanerin aus Mali, schwarzweiß fotografiert von Seydou Keita (1949/51). Zwei "seelenverwandte" Frauen, kunstvoll modisch zurechtgemacht und doch der Welt entrückt. Die überraschende Gemeinsamkeit: "der scheinbare Widerspruch zwischen dem in sich gekehrten Blick und der opulenten Selbstdarstellung", sagt Gabriele Holthuis. "Innerlichkeit und Spiritualität" ist der Raum überschrieben - und dazu gehört auch Mark Rothkos abstrakt intensives, aus sich selbst leuchtendes, geradezu innerliche Emotionen verströmendes Ölgemälde "ohne Titel (Nr. 14)".

So geht das fort: Treffen sich die Ulmer Kunst der Spätgotik und die internationale Moderne vor allem auch aus der Sammlung Fried in ihrer Qualität "auf Augenhöhe", so sieht der Besucher die Kunst auch "mit anderen Augen". Mehr noch: Nicht selten werden ihm die Augen geöffnet. Diese Ausstellung ist anregend, aufregend - und der Parcours macht schlichtweg Spaß. Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen aus diversen Jahrhunderten gegenüberzustellen, ist ja keine sensationell neue Idee, und nicht jede "Zwangsverkupplung" muss aufgehen. Aber Ergebnis und Wirkung sind groß.

Im Lichthof stehen die riesigen Raketen "First Spaceship on Venus" von Sylvie Fleury aus Friedrich Rentschlers FER Collection und korrespondieren mit Dirck Jacobsz Vellers kleiner Federzeichnung "Allegorie auf die Gefahren der Liebe" (1540). Beeindruckend auch: Sol LeWitts weiße, langgezogene Installation "Cubes with Hidden Cubes" (ebenfalls FER Collection) im Zwischenbau steht tatsächlich für "Reihung, Rhythmik, Geometrie" und vermittelt den an den Wänden aufgestellten Figuren Hans Multschers vom Ulmer Rathaus einen neu konzentrierten Raum.

Entdeckung um Entdeckung: Martin Schaffners "Bildnis des Eitel Besserer zu Rohr" (1516) gehört im Raum "Lebensspuren" ebenso zum Personal wie Gerhard Richters Gemälde "Kurt Fried und Hans Jürgen Müller" (1966). Äußerst diffizile Barthaarstruktur bei Schaffner, verschwommene Wirklichkeit bei Richter - beides Fälle idealisierter Menschenbilder. "Auf Augenhöhe" - das muss man sehen. Wunderbar allein schon dieser Madonnen-Raum: Multschers Maria mit Kind und Andy Warhols Marilyn-Monroe-Siebdrucke. Heilige unter sich.

Info Bis 6. Januar im Ulmer Museum, Di-So 11-17, Do bis 20 Uhr.

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