Literaturwoche: Anna Kim in der Museumsgesellschaft

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Anna Kim müsste Donald Trump eigentlich dankbar sein. Dank des Säbelrasselns gegenüber Nordkorea ist ihr historischer Roman „Die große Heimkehr“ (Suhrkamp) aktuell geworden. „Darauf könnte ich verzichten“, sagte die Schriftstellerin am Mittwoch in der Museumsgesellschaft, wo sie ihr Buch im Rahmen der Literaturwoche Donau vorstellte.

Die Erzählung spielt in Südkorea nach dem Zweiten Weltkrieg: Der autokratische Präsident Rhee steht kurz vor dem Sturz. Johnny, seine Geliebte Eve und sein Freund Yunho sind auf der Flucht vor Paramilitärs. Eine Dreiecks-Liebesgeschichte entsteht.

Die Kritik hat Kims Buch mit Lob überhäuft. Für einen „grandiosen“ und atmosphärisch „sinnlichen“ Roman hält ihn etwa die „Zeit“. Einhellig wird Kim dafür bewundert, wie sie die Suche der Protagonistin Hanna nach ihren Wurzeln – ein als Kind von Deutschen adoptiertes, südkoreanisches Mädchen –  mit der Geschichte der koreanischen Halbinsel verbindet. Hanna, man entferne das „H“ aus dem Namen, ist eine Art Stellvertreterfigur Kims. Im Roman begibt sie sich auf die Suche nach ihrer Herkunft und trifft auf den alten Yunho, der ihr seine Geschichte erzählt.

Leben in den Wirren der Politik

Eine Geschichte, die eng mit der Biografie der 39-jährigen Autorin verwoben ist. „Mein Leben wurde von politischen Entscheidungen geprägt“, sagt sie. Ihre Eltern – der Vater Künstler, die Mutter Philosophin – flohen selbst vor dem autoritären Regime nach Deutschland, als sie ein Jahr alt war. Aufgewachsen ist sie in Braunschweig und Wien.

Bevor sie mit der Recherche für den Roman begann, ist sie nur drei Mal in Südkorea gewesen. Ein für sie „sehr weit entferntes“ Land, wie sie sagt. Für das Buch hat sie dort und in Japan mit Zeitzeugen gesprochen und Archive durchsucht. Ihre traurige Beobachtung: Die gesellschaftliche Renaissance des Rassismus’ hat auch vor Ostasien keinen Halt gemacht. In Seoul wurde sie oft für eine Japanerin gehalten und deswegen angefeindet.

Kim kann allerdings nicht nur ernst: Bald wird ein Band mit humoristischen Geschichten von ihr erscheinen. Zum Entzücken der Literaturwochen-Veranstalter Florian L. Arnold und Rasmus Schöll in deren eigenem Verlag Topalian & Milani.

Info Heute liest Anna Weidenholzer aus ihrem Roman „Weshalb die Herren Sterne tragen“ in der Stadtbibliothek. Am Samstag ist Thomas Meyer mit „Rechnung über meine Dukaten“ in der Volkshochschule dran. Beginn jeweils 19.30 Uhr.

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