Schwedisches Autorenehepaar: Zusammen der Erfolgsautor Lars Kepler

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    Sie sind Lars Kepler: Alexandra und Alexander Ahndoril. Foto: 
  • Lars Kepler: Hasenjagd. Übersetzt von Thorsten Alms. Lübbe, 656 Seiten, 22 Euro. 2/2
    Lars Kepler: Hasenjagd. Übersetzt von Thorsten Alms. Lübbe, 656 Seiten, 22 Euro. Foto: 
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Dass Autoren gemeinsam Kriminalromane schreiben, hat in Schweden Tradition. Genauer gesagt seit 1965. Da begannen die Journalisten Maj Sjöwall und Per Wahlöö eine Serie zu veröffentlichen, die das begründete, was heute als Schwedenkrimi bekannt ist. Alexandra und Alexander Ahndoril sind ebenfalls Schweden, seit mehr als 20 Jahren verheiratet, Eltern von drei Töchtern. Sie schreiben unter dem Pseudonym Lars Kepler Krimis und gehören zu den erfolgreichsten Autoren Skandinaviens.

Jetzt liegt der sechste Roman um den Ermittler Joona Linna vor. Und der ist ein untypischer schwedischer Detektiv. Linnas Familie stammt aus  Finnland. Er ist eher der Typ einsamer Wolf als ein Teamplayer. Er war bei einer Eliteeinheit, die ihm beigebracht hat, wie man mit bloßen Händen durchs Leben kommt und es anderen nehmen kann.

Linna verfügt über so etwas wie den sechsten Sinn, kann sich sehr gut in die Täter hineinversetzen. Die Kehrseite seines Charakters: Linna hat keinen Sinn für Vorschriften, er will Verbrechen verhindern – um jeden Preis. Und den bezahlt der ehemalige Polizist zu Beginn des neuen Romans „Hasenjagd“. Er sitzt im Hochsicherheitstrakt der JVA Kumla, als ihm ein Besucher angekündigt wird: der schwedische Premierminister. Er bittet Linna um seine Mitarbeit: Der Außenminister wurde das Opfer eines Mordanschlags.

Nur eines ist klar: Der Mord ist die Tat eines kaltblütigen Profis. Denn obwohl die Alarmanlage angeschlagen hatte, nahm sich der Täter exakt 19 Minuten Zeit,  um den bereits schwerverletzten Minister endgültig zu töten. Wenig später wird ein zweiter Politiker Opfer eines Attentats – ein alter Freund des Außenministers. Beide waren im gleichen exklusiven Internat, in dem es einen Club junger Männer gab, die in einem Lokal mitten auf dem Schulgelände ihr Unwesen trieben, dem so genannten Kaninchenbau. Und auch bei diesem Attentat verstreichen exakt 19 Minuten zwischen dem ersten Schuss, der das Opfer bewegungsunfähig macht, und dem finalen Schuss, der das Opfer tötet.

Doch bis Linna sich das alles zusammenreimen kann, endlich aus dem Gefängnis geholt wird und wieder als Polizeibeamter ermitteln darf, machen die Behörden, die sich voll auf einen möglichen Terrorakt eingeschossen haben, manchen Fehler – mit tödlichen Folgen.

„Hasenjagd“ ist ein echter Lars Kepler. Souverän erzählt, gut konstruiert und aus einem Guss erzählt. Wie macht man das als Duo? Indem man aus den eigenen Egos schlüpft, erklären die Ahndorils, die beide bereits vor den Kepler-Krimis erfolgreiche Roman- und Bühnenautoren waren: „Wir hatten schon versucht, zusammen was zu schreiben, aber das endete immer in Streitigkeiten“, sagt er. „Also mussten wir jenseits von Alexander und Ale­xandra einen neuen Autoren erfinden“, erklärt sie. Irgendwann sei der Name Lars Kepler aufgekommen, angelehnt an den Astronomen, der „fast so etwas wie ein Detektiv war, als er die Beobachtungen des dänischen Wissenschaftlers Tycho Brahe weiterführte“, sagt Alexander.

Und Brahes Leben wiederum war der Stoff, den seine Frau 2003 in ihrem Romandebüt „Der As­tronom des Königs“ verarbeitet hatte. Der Vorname? Ist eine Hommage an den 2004 verstorbenen Stieg Larrson. Dessen Prinzip einer komplexen Geschichte, die hinter den einzelnen Fällen steckt,  fühlen sich die Ahndorils verpflichtet, auch in „Hasenjagd“ lässt sich nur langsam das Motiv des Serienkillers erkennen, das weit in der Vergangenheit liegt.

Erzählt wird auch dieser Kepler-Roman im Präsens. Einer Zeit­ebene, die das Autorenpaar als cineastisches Element versteht, alles soll gefühlt in dem Moment geschehen, in dem man es liest – wie im Kino.

Apropos Zeit: Die Kepler-Romane entstehen in 20-minütigen Einheiten. Solange schreiben die beiden jeweils an verschiedenen Szenen an zwei Computern Nach 20 Minuten werden die Plätze getauscht, und der andere schreibt weiter, verbessert, verändert.

„Wenn wir einen Satz anschauen, können wir nicht sagen, von wem er stammt“, sagen die Ahndorils. Oder andersrum: Satz für Satz ein echter Lars Kepler, der Satz eines Autoren, den es so gar nicht gibt.

Pseudonym Unter dem Namen Lars Kepler schreibt das schwedische Ehepaar Alexandra Ahndoril und Alexander Ahndoril seit 2009 Kriminalromane. Alexandra Ahndoril hat vor den Krimis mehrere historische biografische Romane veröffentlicht. Auch Alexander Ahndoril hat biografische Romane geschrieben, unter anderem spektakulär „Regissören“ (2006) über Ingmar Bergman.

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