Kerstin Wentz taucht als Akt im Werk diverser Künstler auf

Eine Leipzigerin geht ihren Weg in der Kunst - nicht als Malerin, sondern als Motiv. Jetzt ist die Kunsthalle Rostock aufmerksam geworden.

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Kerstin Wentz neben einem Gemälde von Erich Kissing.  Foto: 

Kerstin Wentz ist ein Kunstobjekt. Die 41 Jahre alte Marketing-Angestellte aus Leipzig findet sich auf vielen Bildern berühmter Künstler. "Papstmaler" Michael Triegel hat sie gemalt, der DDR-Aktfotograf Günter Rössler hat sie abgelichtet, Tübke-Schüler Erich Kissing hat sie immer wieder auf der Leinwand verewigt. Wentz hat ihnen in der Freizeit als Akt Modell gestanden.

So viele Bilder mit der schmalen blonden Frau sind schon entstanden, dass die Kunsthalle Rostock ihr eine eigene Ausstellung widmen will. "Viele Künstler haben ihre Muse selbst zum Thema gemacht", sagt Jörg Uwe Neumann, Direktor der Kunsthalle Rostock. "Aber dass eine Muse verschiedener Künstler zum Thema einer Ausstellung gemacht wird, das gab es meines Wissens noch nicht." Zusammen mit dem Leipziger Galeristen Karl Schwind will er die Kerstin-Bilder zusammentragen. 2016 soll die Ausstellung zu sehen sein.

Wentz selbst sieht sich gar nicht als Muse. "Das klingt immer so ein bisschen nach Picasso", sagt die 41-Jährige und lacht. Als Studentin hat sie angefangen, Modell zu stehen. Bis heute macht sie das gelegentlich, zuletzt posierte sie für den Berliner Maler Johannes Grützke. Wentz sieht es als Ausgleich zu ihrem stressigen Büro-Job.

"Da taucht man mal in eine ganz andere Welt ein. Sonst sitzt man ja kaum mal nackig irgendwo rum." Berührungsängste habe sie nicht, sagt Wentz. "Mein Papa ist auch Maler. Dass jemand einem Maler Modell steht, war für mich nie etwas Ungewöhnliches. Wenn ich aus einem ganz prüden Haushalt kommen würde, hätte ich diese Lockerheit vielleicht nicht." Für ihre Freunde sei ihre gelegentliche Beschäftigung als Aktmodell kein Problem, ebensowenig für ihren Mann und ihre neunjährige Tochter. "Selbst meine Schwiegermutter hat es verkraftet."

Maler Kissing sagt, er staune immer über seine Modelle, dass sie sich so umstandslos auszögen. "Sie benehmen sich ganz locker, als hätten sie Sachen an." Kerstin Wentz sei eine schöne Frau mit einer Idealfigur. Er sitze gerade an seinem 15. Bild, auf dem die 41-Jährige auftauchen soll. Modelle seien für ihn als Maler wichtig. Das Licht, die verschiedenen Proportionen - das könne man nicht einfach erfinden. "Wenn man so wie ich gegenständlich-realistisch malt, geht es nicht anders", sagt Kissing.

Modell Kerstin fühlt sich geschmeichelt, dass sie jetzt zum Thema einer Ausstellung werden soll. Ein Kunstwerk mit sich selbst als Motiv besitzt sie nicht. Nur ein paar Fotos der Bilder hat sie zu Hause aufgehängt. "Für diese großformatigen Bilder hätte ich in meinem Haus auch gar keinen Platz", sagt sie. Außerdem seien die Werke viel zu wertvoll.

Und ihren Beitrag zur Kunst schätzt sie ganz uneitel ein. "Ich habe ja nur eine kleine Position in der Sache, eine sehr kleine, was die Malerei angeht. Es wäre vermessen zu denken, ich sei das Wichtigste an dem Bild."

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