Kein Disney für Kinder

Philip Glass hat eine Oper über Walt Disney komponiert. Er ließ sich von einem Roman inspirieren, der die Schattenseiten des Micky-Maus-Schöpfers zeigt. Die Uraufführung ist in Madrid statt in New York.

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Dunkle Charaktere statt farbenfrohe Comics: Der Komponist Philip Glass hat eine Oper über Walt Disney geschrieben. Foto: dpa

Dieser Walt Disney ist nichts für Kinder. Micky Maus und Donald Duck kommen in der Oper über den Erfinder der berühmten Figuren gar nicht erst vor. Das Werk "The Perfect American" des US-Komponisten Philip Glass, das am Dienstag in Madrid seine Weltpremiere hat, befasst sich vielmehr mit Disneys Person und ihre finsteren Seiten. Die Handlung spielt in den letzten drei Monaten vor dem Tod des Gründers der Traumfabrik. Disney war 1966 im Alter von 65 Jahren an Lungenkrebs gestorben.

Glass komponierte "The Perfect American" für das Madrider Opernhaus Teatro Real und die English National Opera in London. Die Oper dürfte ziemlich umstritten sein. Vor allem die Verantwortlichen des Disney-Konzerns werden nicht erfreut sein. Die Oper basiert nämlich auf dem Roman "Der König von Amerika", in dem Peter Stephan Jungk den Begründer der Traumfabrik als einen ziemlich unsympathischen Gesellen darstellt.

Der österreichisch-amerikanische Autor beschreibt Disney als Egozentriker, Frauenhasser und Rassisten. Dem Roman zufolge habe Disney seine Zeichner zur Arbeit angetrieben, aber selbst keinen Strich zu den Figuren beigetragen, die ihn berühmt machten. "Es ist logisch, dass der Disney-Konzern misstrauisch ist, denn Jungk geht mit der Figur des Gründers sehr hart ins Gericht", sagte Bühnendirektor Phelim McDermott.

Glass beschwichtigt jedoch und betont, dass es ihm in der Oper keineswegs darum gehe, Disney in Grund und Boden zu verdammen. "Als ich die Arbeit zu dem Werk aufnahm, glaubten die Leute, ich würde mich über ihn lustig machen", berichtete der Komponist. "Aber ich betrachte Disney auch als einen großen Visionär, der es fertigbrachte, Brücken zu schlagen zwischen anspruchsvoller Kunst und Unterhaltung." Außerdem sei die Oper keine Dokumentation. "Sie ist Poesie und bringt keine Fakten auf die Bühne, sondern Gefühle", betonte der Amerikaner.

Der 75-jährige Glass ist einer der wichtigsten Vertreter des musikalischen Minimalismus, hat nicht nur Opern komponiert, sondern auch mit Popstars zusammengearbeitet und Film-Soundtracks geschrieben. Sein Erfolg geht darauf zurück, dass er mit seiner Musik nicht nur das Bildungspublikum anspricht, sondern auch Rockfans.

Die Idee zu der Disney-Oper hatte der Intendant Gerard Mortier. Der Belgier hatte Glass auf den Jungk-Roman hingewiesen, als er noch bei der New York City Opera unter Vertrag stand. Dort sollte das Werk auch uraufgeführt werden. Mortier zog es dann aber nach Madrid. Dort trat er an mit dem Vorsatz, das Teatro Real in die Gruppe der führenden Opernhäuser in Europa einzureihen. Der ehemalige künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele bewegte Glass dazu, an dem Opern-Projekt festzuhalten. "The Perfect American" entstand schließlich als eine Koproduktion des Teatro Real und der English National Opera.

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