Kay Metzger: Bodenständig übermütig

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Vom Detmolder Landestheater an das Theater Ulm: Kay Metzger. Der neue Intendant kommt zur Saison 2018/2019.  Foto: 

Der künftige Ulmer Intendant Kay Metzger ist ein Wagnerianer – aber nicht nur. Wie sein Lehrmeister August Everding inszeniert der 56-Jährige auch Schauspiel.

Walküre in Detmold“ heißt ein Buch von Ralph Bollmann: Da hatte der Autor eine Entdeckungsreise durch die deutsche Provinz unternommen und über all die 80 Opernensembles in den deutschen Landen gestaunt. In Ulm sah er damals eine „Salome“. Ja und in Detmold . . . eine Inszenierung von Kay Metzger, der am Landestheater aufsehenerregend sogar den ganzen „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner stemmte, nicht nur die „Walküre“.

Sollte Bollmann in ein paar Jahren wieder durch die Opernhäuser touren, könnte er dann vielleicht eine „Walküre in Ulm“ erleben. Denn so „übermütig“ wie in Ostfestwalen möchte Metzger als künftiger Intendant auch an der Donau werden. In Detmold jedenfalls hat der 56-Jährige bewiesen, dass man das Geld auftreiben kann, um Visionen in die Tat umzusetzen. Ein Haus an die „Leistungsgrenzen führen“, das setze auch viele Energien frei.

Metzger war Oberspielleiter in Halberstadt und Coburg, seit 1999 ist er Intendant: erst am Nordharzer Städtebundtheater, wo Johannes Rieger, früher Kapellmeister in Ulm, sein Musikdirektor war. Seit 2005 leitet er das Landestheater Detmold, wo übrigens Ende Oktober Werner Pichler und Klaus Hellenstein (Bühne) den „Rigoletto“ auf die Bühne brachten – auch alte Ulmer Bekannte aus der Ära Ansgar Haag. Überall habe er „ohne Pleiten, Pech und Pannen“ gearbeitet, das Publikum gewonnen, sagt Metzger.

Er selbst hat in Detmold, einem Dreispartenhaus und gleichzeitig die wohl größte Reisebühne Europas mit zahllosen Gastspielen, zuletzt Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ inszeniert. Eine Aufführung, die auch Kulturbürgermeisterin Iris Mann und die Findungskommission im Vorfeld der Intendantenwahl besucht haben. Und sie sahen: Zu den Stückezertrümmerern zählt Metzger gewiss nicht. Er führt durchdacht Regie, nah an der Partitur und am Libretto, er ist ein Erzähler.

Immer wieder Wagner: Als Assistent August Everdings war Metzger 1994 dabei, als der bayerische Staatsintendant in einer Art kulturpolitischem Aufbau Ost im thüringischen Meiningen die „Meistersinger“ inszeniert hatte. Davon schwärmt er noch heute. Immer wieder Everding, sein Lehrmeister: Metzger wurde 1956 in Kiel geboren, er wuchs unter anderem in Mannheim und Bonn auf, machte das Abitur in Bensheim an der Bergstraße, studierte dann Theaterwissenschaften in München, wo ihn Everding unter seine Fittche nahm.

Wie Everding möchte sich Metzger nicht darauf festlegen, nur ein Mann des Musiktheaters zu sein. Gerade etwa fängt er mit den Proben für Heinrich von Kleists Schauspieldrama „Das Käthchen von Heilbronn“ an (Premiere ist am 10. März im Landestheater). Gut 100 Inszenierungen in allen Genres habe er gemacht: als „Überzeugungstäter“ oder, wie seine Tochter sage, als „Workaholic“. In Ulm werde er sich aber gewiss einen starken Schauspieldirektor an seine Seite holen.

„Was träumst, was treibst Du?“, hat Metzger das aktuelle Spielzeitheft des Detmolder Landestheaters überschrieben. Jetzt träumt er vom Theater in Ulm und was er dort so alles treiben möchte von der Saison 2018/2019 an:  etwa das Musical „Les Misérables“ auf der Wilhelmsburg zeigen und vieles mehr.

Generalsanierung

Der Ulmer Gemeinderat hat am Mittwoch nicht nur einen Intendanten gewählt, sondern sich auch erneut mit der Generalsanierung des Theaters beschäftigt. Die Stadträte fassten einen Beschluss für den mittlerweile  9. Baubabschnitt, der die neue Bestuhlung des Großen Hauses einschließt. Wenn der neue Intendant im Herbst 2018 antritt, wird das Publikum auf bequemen Sesseln die Aufführungen anschauen. Denn in den Theaterferien 2017 sollen die Bestuhlung und der Teppichboden im Zuschauerraum ausgetauscht werden. Die Kosten für die Stadt: 915­.000 Euro. Fast 170 Stühle werden über die Spendenaktion des Vereins der Theaterfreunde finanziert.

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