Zukünftiger Intendant Metzger: „Handschuh ist ein toller Musiker“

|
Ratschläge für den Nachfolger? Andreas von Studnitz und Kay Metzger (links), der künftige Intendant des Theaters Ulm. Angela Weißhardt bleibt die Konstante in der Doppelspitze als Verwaltungsdirektorin.   Foto: 

Schön, dass Sie kein Höckerchen hingestellt haben“, sagt Kay Metzger lachend zu den Fotografen. Der frisch gewählte Intendant trifft den aktuellen Intendanten Andreas von Studnitz fürs Gruppenbild mit Dame, also mit Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt. Der Größenunterschied ist beträchtlich, körperlich gemessen. Herzliche Glückwünsche. Metzger, der zur Saison 2018/2019 das Theater Ulm übernimmt, und von Studnitz versichern sich gegenseitig: „Wir kriegen den Übergang hin.“ Dass sein Vorgänger ihm angeboten habe, dass die Tür weit offen stehe für Gespräche, findet der Noch-Detmolder sympathisch.

Was bedeutet der Intendantenwechsel personell? In seiner Rede vor dem Gemeinderat betonte Metzger seine soziale Kompetenz: Sein Antritt als Intendant werde nicht begleitet von einem Kahlschlag im Ensemble. Auch benannte der 56-Jährige im Gegensatz zu seinen Mitfinalisten keine Namen für sein künftiges Leitungsteam. Nur dass er einen starken Mann fürs Schauspiel an seine Seite holen werde als Spartenleiter, erklärte er. Das Musiktheater ist bei ihm Chefsache.

Sechs Stunden Fahrt

Nach der Intendantenwahl am Mittwochabend war für Metzger der Zug wieder mal abgefahren. Erst Donnerstagmorgen, um 6.50 Uhr, reiste er zurück nach Detmold. Der Klassiker: umsteigen in Kassel und Altenbeken, Ankunft um 13.39 Uhr. Fast sechs Stunden in der Bahn – die Strecke wird er jetzt öfter bewältigen müssen, um in Ulm viele Gespräche zu führen, mit der Verwaltungsdirektorin oder dem Personalrat und sowieso mit den Ensemblemitgliedern. Bis Oktober 2017 muss der neue Intendant entscheiden, welche Schauspieler, Sänger und Tänzer er weiterverpflichten möchte.

Bei der wohl wichtigsten Personalie setzt Metzger offenbar auf Kontinuität beziehungsweise auf einen Publikumsliebling. „Timo Handschuh ist ein toller Musiker“, sagte Metzger der SÜDWEST PRESSE. In seiner Rede vor dem Gemeinderat habe er das wohl vergessen, aber der Findungskommission und dem Kulturausschuss bereits versichert: Handschuh wäre „ein wichtiger Partner“ für ihn, er wäre froh, den Dirigenten als Generalmusikdirektor halten zu können. Handschuhs Ruf sei hervorragend, von seinem Können habe er sich schon zweimal überzeugt, erzählt Metzger: in einer Vorstellung von „Manon Lescaut“ und in einem „Lohengrin“, den Handschuh an jenem Abend zwar nicht dirigierte, aber spürbar perfekt einstudiert habe.  Möglichst bald wolle er mit Handschuh telefonieren.

Der Vertrag des Ulmer Generalmusikdirektors läuft 2018 aus, im Interview mit unserer Zeitung sagte Handschuh im September, dass er bis Ende des Jahres warten wolle mit einer Entscheidung über seine Zukunft in Ulm: „Ich muss wissen, welche Vision der künftige Intendant für das Musiktheater und die Konzerte hat.“ Den Stellenwert der Musik sollte man am Theater in Ulm ausbauen: „Da möchte ich schauen, ob die Pläne zueinander passen.“ Dass Metzger als ausgewiesener Musiktheaterfachmann im Gemeinderat sogar Wagners „Ring des Nibelungen“ als ein in Ulm mögliches Projekt ins Spiel brachte, wird Handschuh mit Interesse vernehmen. Der Dirigent saß am Mittwoch im Gegensatz zu manchen Kollegen vom Theater – wie Philharmoniker-Konzertmeister Tamás Füzesi – nicht im Publikum der Gemeinderatssitzung, denn er hatte eine Probe in Stuttgart.

Handschuh leitet dort, am „Opernhaus des Jahres“, die Wiederaufnahme von Tschaikowskys „Eugen Onegin“ (vom 18. Dezember an). Die Wahl Metzgers wollte Handschuh am Donnerstag auf Anfrage nicht kommentieren. Er wollte auch nichts über seine Zukunftspläne verraten.

Premieren Einen Spielplan für seine erste Ulmer Saison 2018/2019 hat Kay Metzger noch nicht vorgelegt. Aber was läuft denn aktuell an seinem Landestheater in Detmold? In der Oper: Wagners „Meistersinger von Nürnberg“, Verdis „Rigoletto“, Händels „Jephta“ und Henzes „Elegie für junge Liebende“. Dazu haben das Musical „Non(n)sens“ und die Operette „Die Csárdásfürstin“ Premiere. Im Ballett bringt Richard Löwe „Let’s Rock“ und einen „Jahreszeiten“-Abend mit Musik Tschaikowskys neu heraus, das Schauspiel unter anderem Ibsens „Hedda Gabler“, Kleists „Käthchen von Heilbronn“ und als Wiederaufnahmen „Dantons Tod“ von Büchner und Goethes „Faust“. 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drei Millionen Euro für neue SSV-Duschen

Nach heftiger Debatte über die Sporförderung hat der Rat die Sanierung des Baus an der Gänswiese einstimmig durchgewunken. weiter lesen